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Ludwigsburg

Für das Stillen in der Öffentlichkeit

Für Mutter und Kind ein besonderes Erlebnis, ist Stillen in der Öffentlichkeit für manche ein Problem. Hebammen und Stadt wollen das ändern.Foto: Fotolia

Ines Pantle selbst hat es bei keinem ihrer drei Kinder erlebt, dass sie beim Stillen vertrieben wurde: „Ob Elternabend oder Kirche, ich habe überall gestillt.“ Doch für die Vorsitzende des Hebammenverbands im Kreis Ludwigsburg ist das durchaus ein Thema: „Viele Frauen erzählen, dass das Stillen im Café oder auf öffentlichen Plätzen nicht gerne gesehen wird.“ Mittlerweile sei es bei den Müttern angekommen, dass das Stillen ihrer Babys aus sozialen und gesundheitlichen Gründen das Beste sei, doch die Hebamme aus Großbottwar macht sich Sorgen um die gesellschaftliche Entwicklung. Stillende Mütter gehörten immer weniger zum öffentlichen Bild, und: „Mädchen, die keine stillenden Mütter als Vorbild haben, kennen das gar nicht mehr, wenn sie selbst Mütter werden.“

Für Irmfriede Pilz-Buob ist das Stillen auch ein Kulturgut, das weitergegeben werden sollte. Wie Ines Pantle ist die Ludwigsburger Hebamme Teil des Organisationsteams, das mit der Stadt an einem babyfreundlichen Image arbeitet. So wird anlässlich der Weltstillwoche vom 2. bis 8. Oktober („Stillen fördern – gemeinsam!“) ein Fotowettbewerb ausgerichtet, bei dem Mütter Fotos beim Stillen an ihrem Lieblingsort einsenden sollen. Die Fotos werden danach in einer Ausstellung sowie auf der städtischen Internetseite gezeigt.

Es geht aber auch darum, die stillenden Mütter zu akzeptieren, so Pilz-Buob: „Es sollen nicht alle ihre Kinder in der Öffentlichkeit stillen, aber Mütter mit ihren Babys gehören in die Mitte der Gesellschaft.“ So hätten neulich Angestellte in Ludwigsburg eine Frau des Cafés verwiesen, weil sie stillte. „Das kommt nicht häufig vor, aber das darf nicht sein.“ Zudem die Frauen ja nicht alles auspackten, sondern im Normalfall sehr zurückhaltend seien. „Die meisten machen es absolut dezent.“

Aufmerksam wurde die Stadtverwaltung beim Gesundheitsforum im Dezember 2016, das sich auch mit dem gesunden Aufwachsen in Ludwigsburg beschäftigte. Dort kamen die Hebammen auf die Stadt zu: Es ging um den Hebammenmangel (siehe Text rechts), aber auch um schlechte Erfahrungen von Müttern in Ludwigsburg. Viele Frauen weichen zum Stillen auch auf Umkleidekabinen oder Toiletten aus, berichtet Christin Schmidt, Trainee in Sachen Gesundheitsförderung beim Fachbereich Sport und Gesundheit.

Gemeinsam mit den Hebammen machte sich die Stadt auf die Suche und hat nun rund 50 Gaststätten, Geschäfte oder Einrichtungen auf der Liste, die Plätze zum Stillen anbieten oder dies akzeptieren. Da liegt Fachbereichsleiter Raphael Dahler im Trend. So hat das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt durch die Nationale Stillkommission eine Offensive geplant, der sperrige Titel: „Erarbeitung von positiven Botschaften zur Erhöhung der Akzeptanz des Stillens in der Öffentlichkeit“.

Analog zur Netten Toilette werden Orte für Stillen und Wickeln mit einem „Babyfreundlich“-Aufkleber an der Tür sichtbar gemacht. Die Liste wird es als Flyer und online geben. Auch die Stadtverwaltung bekommt ihre Aufkleber: Im Foyer des Rathauses in der Sofaecke ist Stillen künftig erwünscht, in der Oberen Marktstraße beim Bürgerschaftlichen Engagement auch. Für das Kulturzentrum wird noch eine geeignete Stelle gesucht.

In einigen Orten im Landkreis gibt es Stillcafés, im Klinikum eine Stillgruppe. Zudem will die Stadt mithilfe der Hebammen eine ambulante Sprechstunde rund um Mutter und Baby einrichten. Dahler: „Damit können wir den Hebammenmangel vielleicht ein bisschen abfedern.“

online-umfrage: Was halten Sie von dem Stillen von Babys in der Öffentlichkeit? Stimmen Sie ab unter www.lkz.de. Die Teilnahmebedingungen zum Fotowettbewerb finden Sie unter www.ludwigsburg.de/stillorte.html.

von janna werner
08. August 2017
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