Donnerstag, 20.09.2018, 3:33 Uhr
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INGERSHEIM

Für Einsätze auf dem Neckar bereit

Die Kosten inklusive Trailer belaufen sich auf 16 500 Euro. Mit einem 15 PS starken Außenbordmotor ausgerüstet, darf es auch ohne Bootsführerschein gesteuert werden. Natürlich waren alle darauf erpicht, die Neuerwerbung auszuprobieren. So fanden am Sonntag die ersten Übungsfahrten auf dem Neckar statt.

Nach einer kleinen Einführung durch Kommandant Andreas Fritz ließen die Feuerwehrleute das vier Meter lange und 1,60 Meter breite Boot über die Böschung neben der Kleiningersheimer Schiffsanlegestelle zu Wasser. Durch die leichte Konstruktion wird keine Slipanlage benötigt. Vielmehr kann das Boot an allen zugänglichen Uferbereichen schnell in den Neckar gesetzt werden. Das ist in Notfällen, wenn es auf jede Sekunde ankommt, ein großer Vorteil. Mit Kufen und Bügeln zum Eisschieben ist das Boot auch zur Eisrettung geeignet. „Das war uns sehr wichtig, da in kalten Wintern auf den Baggerseen immer wieder unerlaubt Schlittschuh gefahren wird“, erklärte Fritz, der sich hochbeglückt über sein neues Wasserfahrzeug zeigte. „Wir freuen uns und sind stolz, dass wir nun auch die Hilfeleistung Wasserrettung aus eigener Kraft abdecken können“, so der Kommandant.

Fünf Personen dürfen mitfahren, das Tragen einer Schwimmweste ist auch für die besten Schwimmer Pflicht. Nach und nach durften die Feuerwehrleute die Neuerwerbung ausprobieren. „Ich freue mich darauf, unser Rettungsboot besser kennenzulernen“, sagte Steffi Scheller, nachdem sie ihre erste Fahrt mit Bravour gemeistert hatte. „Heute üben wir einfach nur fahren, wir müssen uns erstmal ans Boot gewöhnen“, sagte Markus Nägele und überließ dann Patrick Fritz das Steuer. „Ich fahre zum ersten Mal selbst Boot“, sagte der 19-Jährige, der schnell Gefallen an dieser Aufgabe fand. Auch unsere Zeitung war zu einer Probefahrt eingeladen und stellte fest, dass es durchaus Schlimmeres gibt, als bei strahlendem Sonnenschein entlang der Weinberge über den Neckar zu tuckern. Am Schiffsanleger wartete bereits die nächste Besatzung, auch einige der Familien der Feuerwehrleute waren da und freuten sich über eine kleine Spritztour auf dem Wasser.

Geselliges Freundetreffen

Überhaupt erinnerte der Übungstag an ein geselliges Freunde- und Familientreffen. Mit zwei eigenen Rettungsbooten war die Abteilung Bissingen der Feuerwehr Bietigheim-Bissingen dabei. Sie verbindet mit der Ingersheimer Wehr eine besondere Freundschaft. Es wurde gegrillt, Biertischgarnituren luden zum gemütlichen Beisammensein ein. Doch auch wenn an diesem Tag alle Spaß hatten, darf das Rettungsboot natürlich nicht als Spielzeug für die Feuerwehr angesehen werden: Für eine Gemeinde am Fluss ist es eine längst fällige Anschaffung.

„Jetzt habt ihr es nach gerade mal 155 Jahren geschafft, ein Boot zu bekommen“, bemerkte ein Bissinger Floriansjünger grinsend. Doch ganz richtig ist das nicht, denn die Kleiningersheimer Feuerwehr hatte vor der Fusion mit Großingersheim schon mal ein Boot. „Das war ein Schlauchboot, das in einer Hütte am Neckar gelagert war“, klärte Rolf Nägele auf, der als Dreikäsehoch Ende der 60er Jahre ein ganz besonderes Erlebnis hatte. Als die Feuerwehr zu einer Übungsfahrt aufbrach, durfte der damals etwa Fünfjährige mitfahren. Doch auf dem Wasser stellte sich heraus, dass Mäuse ganz viele Löcher in das Boot genagt hatten. Rolf Nägele wurde aufgefordert, seine kleinen Finger in die Löcher zu stecken und so erreichte man gerade noch das Ufer.

Bootstaufe im November geplant

Bei den kommenden Übungsabenden, die jeweils montags stattfinden, wird das neue Rettungsboot im Mittelpunkt stehen. Es gibt theoretischen und praktischen Unterricht, auch Personenrettungsübungen stehen auf dem Plan. Die Bootstaufe soll im Rahmen des Familienabends im November vorgenommen werden.

Beate Volmari
08. Juli 2018
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