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Ditzingen

Folgt der Verlängerung eine zweite?

Freuen sich über die Wiederaufnahme des Betriebs bis Heimerdingen (von links): Ralf Rotermund vom Zweckverband Strohgäubahn, Landrat Rainer Haas und die Rathauschefs von Korntal-Münchingen und Ditzingen, Joachim Wolf und Michael Makurath. Foto: Holm Wolschendorf

Es war nur mit einer kleinen Verspätung, als am Montagmittag nach langer Pause wieder eine Strohgäubahn in den Heimerdinger Bahnhof einfuhr. Drei Minuten hinter dem Zeitplan lag der Zug, der unter anderem die Bürgermeister der Anrainerkommunen, Mitglieder des Zweckverbandes und Vertreter des Industriekonzerns Thales in den Ditzinger Teilort brachte. Drei Minuten – angesichts der bisherigen Verzögerungen aber eine Kleinigkeit. Denn da hatte es diverse Querelen gegeben, zuletzt mit der neuen Leit- und Sicherungstechnik für 3,9 Millionen Euro.

Umso erfreuter zeigten sich deshalb alle Beteiligten, dass nun das Bähnle unter der Woche im Halbstundentakt wieder bis Heimerdingen fahre. Und sparten nicht mit Superlativen. Landrat Rainer Haas sprach von einer „historischen Stunde“, Ditzingens OB Michael Makurath gar von einem „historischen Tag“ für den Ort, der in seiner Entwicklung von der Anbindung profitieren werde. Moderner, schneller – es kann mit Tempo 80 statt 50 gefahren werden – und sicherer sei das Fahren nun, sagte der Landrat, und verwies auf die neue Leit- und Sicherungstechnik von Thales. Doch die hatte zuvor Probleme bereitet, lange stand die eisenbahnrechtliche Genehmigung aus (wir berichteten).

Dank der Technik aber könne die Bahn wieder bis nach Feuerbach fahren. Und auch wenn der Verband Region Stuttgart diesem Ansinnen unlängst „einen herben Rückschlag“ verpasst habe, so verbinde er mit der aktuellen Erweiterung die Hoffnung, dass ihr weitere folgen, so Haas. Denn kurz vor seinem Urlaub habe er mit dem Verkehrsdirektor gesprochen und „gute Signale erhalten“. Jürgen Wurmthaler habe beteuert, dass auch er eine Strohgäubahn bis Stuttgart wolle, aber auf die Überlastung der Strecke zwischen Korntal und Feuerbach verwiesen. Man dürfe halt nicht den Anspruch haben, so Haas, dass es nächste Woche losgeht.

Denn Schienenprojekte brauchten Zeit, spielte er auf Kritik von Bürgern an. In Korntal etwa streitet ein Nachbar der Betriebswerkstatt aktuell vor dem Verwaltungsgerichtshof wegen einer Lärmschutzwand, auch in Heimerdingen wollen Anwohner dies. Von drei, vier Nachbarn gebe es Einwände an das Regierungspräsidium, hieß es vonseiten des Zweckverbands, der hofft, dass man das Planfeststellungsverfahren 2019 abschließen kann. In Heimerdingen muss ohnehin noch gebaut werden, denn die Bahnsteige sollen – unter rollendem Rad – barrierefrei angepasst werden, ähnliches ist für Korntal geplant. Dann soll es in Heimerdingen auch ein großes Fest geben, wie er es dem Ortsvorsteher versprochen hatte, sagte Makurath. Und auch wenn die Verspätung des Bähnles von einigen Gästen thematisiert wurde: Noch viel später dran sind VVS und Bahn. Denn die Fahrplanauskunft ignoriere die Verlängerung, zudem werde noch immer auf den Anzeigetafeln und dem ausgehängten Plan Hemmingen als Endbahnhof angegeben. „An uns liegt’s nicht“, sagte Horst Windeisen, Chef der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft. „Wir waren rechtzeitig dran.“

Julia Schweizer
10. September 2018
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