Dienstag, 23.10.2018, 23:00 Uhr
keine Daten 13 °C
Kornwestheim

Feier an Schwabens Nullmeridian

Ein Apfelbaum im Garten der Triangulation: Dr. Christian Sußner vom Landratsamt, Kornwestheims OB Ursula Keck, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Luz Berendt, der Präsident des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung, greifen zum Spaten. Foto: Holm Wolschendorf

Was das berühmte Greenwich mit dem Null-Meridian für die Längengrade des Globus und die Vermessung der Welt ist, das ist die Solitudestraße für das Land: Die auf Weisung von Herzog Carl Eugen mit dem Lineal durch die Landschaft gezogene einstige Allee, eine über 13 Kilometer lange und 15 Meter breite Kutschen-schnellstraße zwischen Schloss Ludwigsburg und dem Lustschloss auf der Solitude, diente vor 200 Jahren als Basislinie für die Vermessung des württembergischen Königreichs.

Ein Jubiläum, welches das ganze Jahr über mit gefeiert wird – und das nun auch an der Solitudestraße selbst begangen wurde, und zwar an einer sehr spezifischen Stelle am Westrand von Kornwestheim: im „Garten der Triangulation“. Vor 20 Jahren als Ausgleichsmaßnahme für den Bau des nahen Containerbahnhofes eingerichtet, bildet hier eine 20 Meter lange, in den Boden eingelassene Messstange die geometrische Basis nach, von der aus per Dreiecksberechnung jeder Quadratmeter Landes präzise erfasst und in Katastern amtlich verzeichnet werden konnte. Und im Verbund mit zwei Dutzend Stelen wird variantenreich das „Triangel“-System dieser Großtat nachempfunden.

Dass es eine Großtat war, das betonten denn auch die Festredner bei dem Akt vor Ort, ins Werk gesetzt vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz und dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, das in Kornwestheim eine große Dependance hat. Vorneweg Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck, die die frühe Landesvermessung „ein Maß für württembergische Genauigkeit und Präzision“ nannte. Christian Sußner, Vermessungsdezernet beim Landratsamt, nannte den 200. Geburtstag der Landesvermessung ein „geschichtsträchtiges Datum“. Es sei ein „Durchbruch und Startpunkt“ gewesen, der noch heute nachwirke. Etwa bei Grundstücksangelegenheiten oder beim Straßenbau – und als solcher „Teil eines Fortschrittes“ sei.

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch oblag es dann, den historischen Horizont der Sache etwas breiter auszumessen. Es sei die Zeit gewesen, „in der Politik praktisch wurde“, und zwar von der Spitze her, mit König Wilhelm I., der „ein richtiger Agrar-Politiker war“. Dies auch vor dem Hintergrund katastrophaler Hungerjahre, ausgelöst durch einen Vulkanausbruch in Indonesien anno 1816. Hintergrund der Landesvermessung wiederum war, „verlässliche und einheitliche Grundlagen für die Besteuerung von Grund und Boden zu schaffen“. Die Erstellung von Liegenschaftskatastern sei aber auch „wichtig gewesen für den Rechtsfrieden im Staat“. Im übrigen sei die Leistung, „dass jeder Quadratmeter sitzt und passt, eine Kunst, die man gar nicht genug ermessen kann“.

Dann schritten die Akteure zur symbolischen Pflanzung eines Apfelbaumes, der sich präzise in die von der Stadt akkurat gepflegte Reihe entlang der Solitudestraße fügt, die an dieser originalen Stelle nun ein Feldweg ist.

Auch hier befanden sie sich in historischen Fußstapfen: Die Pflanzung von 2000 Apfelbäumen geschah einst unter Carl Eugens Hofgärtner Johann Kaspar Schiller, dem Vater des Dichters Friedrich Schiller. Ein Aspekt, der den Genius loci weiter anreichert.

Georg Linsenmann
09. Oktober 2018
Impressum | Datenschutz