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Es gibt Cidre aus heimischem Streuobst

Schon am frühen Montagabend hatten viele Besucher bereits erste Einkäufe getätigt: Seit der Mittagszeit hatten die Stände der knapp 80 Aussteller geöffnet. Dort wird bis Samstag eine breitgefächerte Palette an Kulinarischem und Kunsthandwerk angeboten.

Direktvermarktung wird großgeschrieben. Das gilt für die selbst genähten Handspielpuppen aus Ungarn ebenso wie für die Wurstspezialitäten und Holzarbeiten aus dem sächsischen Zwickau, Nougat, Wein und Seifen aus der Provence, Zirbenprodukte aus dem Pitztal, Schinken und Käse aus dem italienischen Bergamo oder Schmuck aus Israel. So wie Monika Herrman und Gabriele Hollube aus Tamm, die ihre Stricknadeln klappern ließen, kann man Kunsthandwerkern bei ihrem kreativen Schaffen zuschauen. Weingenießer können die Gewächse regionaler Weingüter kennenlernen. Doch auch Apfelsaft von heimischen Streuobstwiesen, Wurstspezialitäten, Backwaren und weitere regionale Köstlichkeiten machen Appetit darauf, sich den Geschmack der Heimat auf der Zunge zergehen zu lassen.

Bis Samstag verwandeln sich alle Etagen des Verwaltungsgebäudes und des Atriums in eine große Markthalle. Auf den Fluren riecht es nach frisch zubereiteten Speisen, aber auch nach Holz oder Seifen. Das Ziel besteht schließlich darin, für regionales Handwerk und heimische Produkte zu werben. Nach mehr als 20 Jahren ist dieses Event, das mit sieben Ständen begann, zu einer bodenständigen Genussmesse ohne Schnickschnack geworden.

Und es gibt immer wieder Neues: Premiere feiert in diesem Jahr der Cidre, der aus Obst heimischer Streuobstwiesen hergestellt worden ist. Apfelsaft aus dem Landkreis gebe es ja bereits. „Deshalb haben wir uns überlegt, was man aus den Äpfeln herstellen kann, damit sich das Sammeln auch wieder lohnt“, sagte der Cidre-Ideengeber Landrat Dr. Rainer Haas. Das Ergebnis ist der spritzige Apfelwein made im Landkreis Ludwigsburg.

Der Eröffnungsabend mit Folkloremusik von Jósef Terék stand im Zeichen Ungarns. Schließlich gehören die Handwerker aus dem Partnerlandkreis Komitat Pest seit vielen Jahren zu den Ausstellern, die auch bei der 22. Auflage des Spätlingsmarktes von einer Delegation begleitet wurden. Landrat Haas begrüßte sie ebenso wie die Gäste aus Italien, Frankreich und Israel in der jeweiligen Landesssprache.

Seit dem Start des Spätlingsmarkts vor 22 Jahren mit von der Partie sind die Aussteller aus dem Partnerlandkreis Zwickau. „Wenn Sie damals nicht mitgemacht hätten, wäre der Spätlingsmarkt nicht zustande gekommen“, so Haas, bevor er dem Zwickauer Landrat Dr. Christoph Scheurer eine Urkunde und Medaille überreichte. Auch die Aussteller aus dem Komitat Pest sind eine feste Größe: Dafür erhielt Dr. Zoltán Vereczkey ebenfalls Urkunde und Medaille.

„Ludwigsburg ist der einzige Landkreis, der Außenpolitik betreibt“, hob Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, hervor. „Europa muss von Menschen gelebt werden und kann nicht von oben verordnet werden“, wies sie auf die „gelebten Freundschaften“, zu den ausländischen Gästen hin. Man brauche den Blick über die Grenzen, aber auch das Heimatgefühl. „Schützen durch Nützen“ sei ein Grundsatz, der vor allem für die Streuobstwiesen gelte. Wenn man nichts mehr für das Obst bekomme, das man aufsammele, werde der Idealismus arg strapaziert, gab sie zu bedenken.

Gemeinsame Gespräche

Diese Flächen, auf denen mehr als 5000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten heimisch seien, zeichneten sich durch ihren hohen ökologischen Wert aus. „Ich kenne kein Landratsamt, das so viel Identität erzeugt wie in Ludwigsburg“, sagte Gurr-Hirsch mit Blick auf die zahlreichen Besucher am Eröffnungstag in dem Gebäude, das normalerweise Verwaltungsmitarbeiter beherberge.

Dass diese Veranstaltung Heimatgefühl vermittelt und gleichzeitig europäische Freundschaften fördert, lobte Landrat Scheurer aus Zwickau. Dr. Zoltán Vereczkey hob die Bedeutung Deutschlands als Wirtschaftspartner Ungarns hervor. Man wolle den Besuch nutzen, um das Gespräch mit den Gastgebern zu suchen. Sowohl die Region Stuttgart als auch die Region Bergamo gehörten zu den Motoren in Europa, sagte Giacinto Giambellini, Präsident der Handwerkskammer Bergamo.

Info: Spätlingsmarkt, Landratsamt, Hindenburgstraße 40 in Ludwigsburg, Mittwoch und Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr, Donnerstag 9 bis 20 Uhr (Weinstraße bis 21 Uhr), Samstag 9 bis 14 Uhr.

Marion Blum
06. November 2018
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