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Ludwigsburg

Erinnerung an Holzkloben

Einst Transportweg für Holz aus dem Schwarzwald. Jetzt ein wertvolles Biotop: Der alter Flößerkanal bei Bissingen.Foto: Alfred Drossel

Unterhalb der Sägemühle im Rotenackerwald zweigt ein Kanal von der Enz ab und führt in Richtung Bissingen: der alte Flößerkanal. Nur nur ein Teilstück von ihm ist zwischen der Ortslage Bissingen und der Sägemühle erhalten, als letzte Erinnerung an die Holzkloben, wie die Bissinger mit ihrem Necknamen genannt werden.

Die Flößerei hatte für Bissingen und Umgebung eine wichtige wirtschaftliche Bedeutung. Immerhin kam ein großer Teil des Holzes zum Bau des Ludwigsburger Schlosses über Bissingen.

Begonnen hat alles im Jahre 1501. Der auf der Pforzheimer Burg lebende Markgraf Rudolf IV und Graf Ulrich von Württemberg schlossen auf Anregung der Freien Reichsstadt Heilbronn einen Vertrag, der die Flößerei auf Enz, Nagold, Würm und Neckar regelte.

Neben technischen Schwierigkeiten gab es aber Widerspruch der Wehrinhaber, der Güterbesitzer und Fischerei. Herzog Ulrich versuchte vergeblich 1536 eine Regelung zu finden. Doch erst im Oktober 1623 kam eine „Fürstlich württembergische Wasser- und Floßordnung“ zustande.

Wegen des 30-Jährigen Kriegs kam das Gewerbe nicht richtig zum Laufen. Das änderte sich, als nach dem „Westfälischen Frieden“ ein ungeheuerer Aufbruch in Europa stattfand. Holz wurde gebraucht. Bis in das kleinste Tal drang der Ruf. Man brauchte Holz zum Hausbau, Brückenbau und zum Schiffsbau.

Holz bis nach Holland

Holz wurde in großen Mengen vor allem in den Städten entlang des Rheines benötigt und in Holland, der Handels- und Schiffsmacht. Im Jahre 1691 wurden erstmals 1000 Stämme Floßholz aus Wildbader Waldungen und ein Jahr später die gleiche Menge aus Liebenzeller Waldungen auf Enz und Nagold nach Holland verflößt.

Im 18. Jahrhundert ging es dann aufwärts mit der Gründung von Holz-Compagnien, die einen regen Handel entwickelten. Allein im Jahre 1715 wurden 14 000 Holländer (-stämme), 51000 gemeine Balken, 292 000 Dielen und 158 000 Latten außer Landes geflößt. In Pforzheim – der Drei-Täler-Stadt – war der erste Sammelplatz des Langholzes.

In Heilbronn und Neckarsulm wurden meist drei Flöße zu einem breiten „Talfloß“ zusammengestellt. Dann ging es weiter bis Mannheim. Auf dem Rhein wurden die Flöße immer größer. Bis zu 350 Meter lang und 60 Meter breit waren die Flöße. Es waren schwimmende Dörfer, die mit Floßherr, Steuermann, Meisterknechten, Proviantmeistern, Köchen, Ankervolk und Ruderknechten, rund 600 bis 800 Menschen beherbergten. War das Floß glücklich in Holland gelandet, wurde es „auseinandergelegt“ und das Holz aufs Land geschleift.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor der Außenhandel von Langholz aus dem Schwarzwald immer mehr an Bedeutung. Das Gewerbe wurde immer mehr vom Bahntransport verdrängt, so dass im Jahr 1911 das letzte Floß die Enz hinabfuhr. Die Enz-Langholzflöße, die sogenannten „Gestörre“, konnten bis zu 280 Meter lang und vier Meter breit sein. Die einzelnen Stämme, aus denen die „Gestörre“ gefertigt wurden, befestigte man entweder mit Querstangen und Holznägeln oder mit Weidenriemen. Dabei wurde das Floß von zwei bis hin zu 14 Flößern geführt

Der Bissinger Holzkanal wurde nicht von Gestören befahren, weil er viel zu schmal war. Einzelne Stämme und vor allem Scheiterholz schwammen auf dem Kanal und wurde am Bissinger Holzgarten, der wenige Meter westlich der Kilianskirche lag, angelandet.

Flößerweg an der Enz

Die Geschichte der Flößerei dokumentiert der 15 Kilometer lange Flößerweg, ein Rad-und Wanderweg zwischen Besigheim und Bissingen. In Calmbach gibt es das Flößermuseum zu besichtigen und vor dem Bissinger Rathaus steht eine dynamische Flößerskulptur des Löchgauer Bildhauers Karl- Henning Seemann.

Der Flößerkanal liegt ein wenig abseits. Vor drei Jahren wurde er ausgebaggert, so dass hier inzwischen auch wieder Wasser steht.

von alfred drossel
17. April 2017
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