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Ludwigsburg

Enorme Nachfrage, viel zu wenig Bauplätze

Wer ein Grundstück für ein Einfamilienhaus ergattert, darf sich wie im Besitz eines großen Schatzes fühlen. Foto:Andrey Armyagov /stock.adobe.com

In der Politik ist umstritten, ob es angesichts der Engpässe auf dem Wohnungsmarkt vertretbar ist, in Neubaugebieten überhaupt noch Einfamilienhäuser zu genehmigen. So manche Stimmen sprechen sich dafür aus, das knappe Bauland am besten nur noch für Mehrfamilienhäuser zu verwenden – und diese Häuser auch noch fünf und mehr Geschosse hoch zu bauen, um möglichst vielen Menschen Wohnraum anbieten zu können. Eine solche Politik der Verdichtung steht im Gegensatz zum Bau von Einfamilienhäusern.

Die Stadt Ludwigsburg geht in ihren Neubaugebieten derzeit unterschiedliche Wege. Im größten geplanten Neubaugebiet, am Fuchshof in der Oststadt, sind keine Einfamilienhäuser zu erwarten. Auf ihrer Internetseite schreibt die Stadtverwaltung, dass zwar noch nichts endgültig entschieden sei. „Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Baufelder an der Fuchshofstraße durch Geschosswohnungsbauten und nur im geringen Umfang durch individuelle Stadtreihenhäuser geprägt sein werden. Mit Bauplätzen für freistehende Einfamilienhäuser ist eher nicht zu rechnen.“

Bis am Fuchshof Grundstücke verkauft werden, ziehen ohnehin noch zwei bei drei Jahre ins Land. Der Druck bei der Nachfrage nach den eigenen Wänden aber steigt stetig. Als die Stadt zum Beispiel im Jahr 2016 für ein Gebiet an der Hohenecker Flattichstraße die Grundstücke für fünf Einfamilienhäuser und ein Doppelhaus verkaufte, galten 168 Bewerbungen schon als Riesenansturm. Jetzt sind es in Neckarweihingen auf die 17 Bauplätze fast zehn mal so viele Interessenten, die zugreifen möchten.

Dass die Nachfrage bei weitem nicht gedeckt werden kann, zeigt sich auch daran, dass werdende und junge Familien vermehrt die Stadt in Richtung Umland verlassen.

Keinen Raum für Einfamilienhäuser wird es auch in einem weiteren großen Neubaugebiet geben, der sogenannte Bima-Siedlung in Grünbühl. Dort wird der Bestand an Altbauten Stück für Stück abgerissen und für Neubauten freigeräumt. Rund 400 Wohnungen sind geplant, auch ein kleiner Anteil Reihenhäuser. Über dieses Areal verfügt die Stadt über ihr Tochterunternehmen Wohnungsbau Ludwigsburg GmbH (WBL).

Anders im benachbarten Baugebiet Sonnenberg-Südwest, das ebenfalls der WBL gehört. Und wo gleich in Nachbarschaft zu den laufenden Bauaktivitäten – die WBL errichtet fünf Mehrfamilienhäuser – noch weiteres Bauland ausgewiesen werden soll. Dort wird die WBL nicht selber bauen, sondern Grundstücke verkaufen. Geplant sind nach den Worten des WBL-Geschäftsführers Andreas Veit neun Bauplätze für Einfamilienhäuser und 16 für Doppelhäuser.

„Wir sind noch nicht so weit, um in die Vermarktung einzusteigen“, beugt Veit vorschnellen Bewerbungen vor. Mitte des Jahres soll es aber so weit sein, die Grundstücke sollen zwischen 190 und 600 Quadratmeter groß sein. Preise will die WBL nicht nennen, nach Informationen unserer Zeitung wird es je nach Lage gestaffelte Quadratmeterpreise geben.

Ein kleines Baugebiet, das diese Woche auf der Tagesordnung der Lokalpolitik steht, liegt in Eglosheim. Im Bereich Ingersheimer Straße West ist der Bau von acht Reihenhäusern vorgesehen. Das Baufeld wurde nach einem Ausschreibungsverfahren bereits an den Bauträger Zweipartner GmbH (Markgröningen) verkauft. Jetzt muss die Stadt noch einen Bebauungsplan für das Gelände auf den Weg bringen. Neben Sonneberg-Südwest das zweite Neubaugebiet, in dem Einfamilienhäuser möglich werden, ist das Neckarweihinger Gebiet „ Schauinsland“. Dort verkauft die Stadt als Eigentümerin nach aktuellem Stand 17 Bauplätze für Einfamilienhäuser. Die Größe der Grundstücke reicht nach Angaben der Stadtverwaltung von 225 bis knapp 500 Quadratmeter. Hier steht der Verkauf kurz vor der Tür, er soll Ende Mai dieses Jahres beginnen. Auf der Internetseite der Stadt können sich Interessenten melden – und es sind bereits sage und schreibe 1500 Namen auf der Vormerkliste.

Wie wird da entschieden, wer ein Grundstück bekommt? Es gibt als Grundlage eine Art Punktesystem: Gewertet wird, wenn jemand bereits in Ludwigsburg lebt, ebenso zählen Kinder und deren Alter, auch wer in Ludwigsburg arbeitet kann punkten, oder wenn zum Haushalt eine pflegebedürftige Person zählt. Die WBL verkauft ihre Grundstücke nach einem ähnlichen Verfahren, kann aber noch Kriterien wie etwa die Bedürftigkeit nach Wohnraum ebenfalls einbeziehen.

In Neckarweihingen ist auch ein Grundstück für acht Reihenhäuser vorgesehen. Nach Auskunft der Stadt wird es „wie in der Vergangenheit bereits mehrfach praktiziert, im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens zum Festpreis an einen Investor vergeben“.

Zu welchem Preis die 17 Grundstücke für Einfamilienhäuser in Neckarweihingen angeboten werden, will die Stadtverwaltung bislang noch nicht bekanntgeben. Klar ist aber, dass die Grundstücke – anders als zum Teil noch vor einigen Jahren auf der Hartenecker Höhe – von der Stadt nicht mehr meistbietend, sondern zu einem Festpreis veräußert werden. Laut Angaben der Stadtverwaltung wohnen 36 Prozent der 1500 Bewerber in Ludwigsburg – das sind für die 17 Bauplätze rund 560 Interessenten allein aus der Stadt.

von peter maier-stein
08. April 2018
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