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Freiberg

Emmer und Einkorn fürs Überleben

Auf den jungsteinzeitlichen Feldern gediehen Emmer und Einkorn, zu den ersten Hülsenfrüchten gehörten Erbsen und Linsen. Während sich Letztere hierzulande bis in die Gegenwart auf dem Speisezettel einen festen Platz ergattert haben, erlebt das Ur-Getreide derzeit eine Renaissance. In manchen Mühlen gibt es Emmer und Einkorn zu kaufen, in Naturkostläden wird Brot aus Emmer angeboten. Welche Rolle das Korn bei der Entwicklung des Menschen zum Selbstversorger spielte und wie die Menschen in Mitteleuropa vor 7000 Jahren begonnen haben, Getreide anzubauen, ist im Museum im Schlössle zu erfahren.

Die Ausstellung wurde vom Landesamt für Denkmalpflege konzipiert und ist seit 2008 schon an vielen Orten gezeigt worden. Irene Ott, Leiterin des Freiberger Museums im Schlössle, hat sie im oberschwäbischen Bad Buchau gesehen und war gleich davon begeistert. „Was haben die Leute früher angebaut und gegessen? Mit dieser Ausstellung können wir die archäologischen Funde ins Bewusstsein der Menschen rücken“, sagt Ott.

Wesentlicher Bestandteil der Forschung ist die Archäobotanik. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie es einst gelang, die tägliche Nahrungsbeschaffung und damit das Überleben zu sichern. Nachdem der Mensch zuerst Jäger und Sammler war, betreibt er in Mitteleuropa seit rund 7500 Jahren Ackerbau und Viehzucht. Dabei stützen sich die Wissenschaftler vor allem auf botanische Funde wie Früchte, Samen und Pollen. „Hier handelt es sich meistens um Funde aus der Bodenseeregion, die tief in der Erde unter Luftabschluss erhalten blieben“, so Irene Ott. Pflanzenreste im Boden, Getreidereste in Gefäßen, verkohlte Vorräte und Funde in Latrinen wurden analysiert und mit modernem Material verglichen. In Ablagerungen von Seen und Mooren fanden sich unzählige Pollenkörner. Je tiefer man dort gräbt, um so ältere Schichten werden erreicht. Somit lässt sich das Alter der Pollen bestimmen. In der Ausstellung im Museum im Schlössle können die Besucher selbst Originalfunde von Getreidesamen unter dem Mikroskop betrachten und bei einem Quiz erraten, um welche Sorten es sich handelt.

Die archäobotanische Untersuchung der vielfältigen botanischen Funde ermöglichte es den Wissenschaftlern, ein genaues Bild davon anzufertigen, wie sich die Menschen in den einzelnen Epochen ernährt und das Land genutzt haben. Dabei spielt freilich auch die Haltung von Nutzvieh eine Rolle, worauf Knochenfunde einen Hinweis geben. Die Ausstellung „Vom Korn der frühen Jahre“ zeigt, wie der Mensch die ursprüngliche Landschaft nach und nach seinen Bedürfnissen angepasst hat. Der Besucher erfährt dabei, dass der Mensch in Nordeuropa bereits vor etwa 4000 Jahren damit begann, Getreide anzubauen.

Auch Kinder kommen in der Ausstellung auf ihre Kosten. Es wird Führungen für sie sowie Angebote vom Freiberger Kreativlabor geben. In einem Raum des Museums können die Kleinen selbst Hand anlagen und das Korn mahlen und wiegen.

Info: Das Museum ist sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung geöffnet.

Frank Elsässer
01. November 2018
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