Dienstag, 23.10.2018, 22:06 Uhr
keine Daten 13 °C
Löchgau

Ein Museum für das Wahrzeichen

Das Löchgauer Wahrzeichen, der Nagel, steht auch am Eingang des Museums. Archivfoto: Drossel

Als die Mitglieder des „Arbeitskreises Dorfbild“ im Jahr 1991 auf die Nagelsammlung der Familie Röcker aufmerksam werden, ahnen sie nicht, dass sie damit auf einen Schatz gestoßen sind: 250 Kisten mit 4595 Nagelsorten umfasst die private Sammlung, die die Familie nach der Schließung des Betriebes zusammengetragen hat (siehe zweiter Text). „Wir waren uns schnell einig, dass dieses wichtige Stück Ortsgeschichte nicht verloren gehen darf“, erinnert sich Gisela Happold, die dem Arbeitskreis bis zu seiner Auflösung angehört hat und die heute mit weiteren Ehrenamtlichen das Nagelmuseum betreut.

Ende 1995 übernimmt die Gemeinde Löchgau die Nagelsammlung der Familie Röcker – und verpflichtet sich dazu, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch wie? „Wir hatten versprochen, uns darum zu kümmern“, sagt Happold. „Sonst wäre die Sammlung sicher im Keller irgendeines Technikmuseums gelandet.“

Stattdessen kommt die Sammlung in den Keller der Löchgauer Jakob-Löffler-Schule: 1998 wird dort auf 80 Quadratmetern eine kleine Ausstellung rund um den Nagel eröffnet. Die Gemeinde stellt die Räume zur Verfügung, doch konzipiert und betreut wird die Sammlung von Mitgliedern des Arbeitskreises. In vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit ist so das Nagelmuseum entstanden.

„Wir haben viel gehirnt“, erinnert sich Gisela Happold. Denn von den rund ein Dutzend Mitstreitern hat eigentlich keiner eine Ahnung davon, wie man ein Museum aufbaut und betreut. Auch über die Vielseitigkeit das Nagels hat sich bis dahin niemand Gedanken gemacht. „Aber wir waren überzeugt davon, dass es so etwas noch nicht gibt. Das war ein Alleinstellungsmerkmal.“

So erzählt das Nagelmuseum auch die Geschichte davon, wie ehrenamtlich engagierte Bürger mit Unterstützung der Gemeinde ein bis heute deutschlandweit einzigartiges Museum aus der Taufe gehoben haben. Man habe kreativ und offen gearbeitet, erinnert sich Gisela Happold an die Anfänge; jeder nach seinen Fähigkeiten. Neben der Firmengeschichte fand so auch die Historie des Nagels einen Platz in der Ausstellung. „Die Thematik hat uns wirklich fasziniert. Wir konnten nicht fassen, was alles dahintersteckt“, sagt Gisela Happold. Selbst heute, 20 Jahre später, lerne man immer noch etwas Neues dazu.

Herzstück der Sammlung war und ist bis heute die Nagelsammlung. Anfangs sind die Exponate noch überschaubar; doch über die Jahre arbeiten sich die Ehrenamtlichen nicht nur immer tiefer in die Thematik ein. Vor allem über private Kontakte kommen auch neue Ausstellungsstücke hinzu: Bis heute melden sich Leute und bieten Exponate für die Sammlung an, manchmal liegt einfach nur ein Päckchen mit Nägeln vor der Tür. Auch E-Mails von Studenten erreichen Gisela Happold, mit der Bitte, einen Nagelfund zeitlich abzugrenzen. Oder Anfragen von Orgelbauern, Antiquitätenhändlern und Schreinern. Sogar ein Architekt aus Katar und ein Metallgestalter aus Santa Fee haben sie bereits um Hilfe gebeten.

Mittlerweile findet man das Nagelmuseum in neuen Räumen, etwas versteckt in einem Hinterhof in der Oberen Straße. Auf 250 Quadratmetern sind über 5000 Objekte ausgestellt. Auf jeden Einwohner von Löchgau kommt somit ein Exponat. Beleuchtet wird hier der Nagel in all seinen Facetten, beim Rundgang gibt es unendlich viele Details zu entdecken. Lediglich das Thema „Nagel in der Kunst“ würde Gisela Happold gerne noch weiter ausbauen, schön wäre beispielsweise eine Kooperation mit einer Galerie, sagt sie. „An Ideen mangelt es uns nicht, wir könnten noch manchen Joker ziehen. Aber im Moment ist es gut so“, betont sie.

Den Arbeitskreis Löchgau gibt es mittlerweile nicht mehr, die Gemeinde ist für das Nagelmuseum verantwortlich. Gisela Happold und eine Handvoll weiterer Engagierter betreuen und entwickeln das Museum aber weiter, bieten auch regelmäßig Führungen an. „Das ist ein einzigartiger Beitrag zum Erhalt unserer Dorfgeschichte“, ist sich auch Bürgermeister Robert Feil der Bedeutung des Museums bewusst. Er sei deshalb sehr dankbar für das Engagement der Ehrenamtlichen.

Info: Das 20-jährige Bestehen des Nagelmuseums wird am Samstag, 17. November, mit einem Stehempfang im Museum gefeiert.

Christina Kehl
11. Oktober 2018
Impressum | Datenschutz