Montag, 19.11.2018, 19:27 Uhr
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Ludwigsburg

Ein Gipfeltreffen zur Doppelstrategie

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Eine kommunalpolitische Zusammenkunft in dieser Größenordnung hat Seltenheitswert. Aus nicht weniger als fünf Städten des Landkreises sind alle Stadträte und die Verwaltungsspitzen heute eingeladen, zusammen mit dem Landrat und den Mitgliedern des Kreistags den aktuellen Stand der Diskussion um einen Ausbau des Nahverkehrs zu betrachten.

Der Teilnehmerkreis im Landratsamt ist dabei kurzfristig noch größer geworden als ursprünglich geplant. Ludwigsburg, Markgröningen, Möglingen, Kornwestheim und Remseck sind als direkt Beteiligte rund um das Thema Stadtbahn ohnehin gesetzt. Jetzt haben sich die Bürgermeister von Schwieberdingen und Korntal-Münchingen, bisher eher als Beobachter an der Seitenlinie, mit eigenen Plänen für einen neuen Schienenverkehr aufs Spielfeld gebracht. Sie schlagen vor, die ohnehin geplante Stadtbahn zu verlängern, von Markgröningen über ihre Kommunen bis nach Zuffenhausen – als Erweiterung des Stuttgarter Stadtbahn-netzes mit einer Hochflurbahn.

Sie sorgen dafür, dass Ludwigsburg erneut unter Druck kommt, seine Ablehnung einer Hochflurbahn und sein Beharren auf einer Niederflurbahn zu rechtfertigen. Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec hat vor wenigen Tagen die Diskussion um die neue Strecke als „extrem kritisch“ beurteilt, seine Position inzwischen insofern konkretisiert, dass seine Kritik sich nicht grundsätzlich gegen Überlegungen für einen Ausbau des Nahverkehrs in Schwieberdingen und Korntal-Münchingen richtet. Er begrüßt es, wenn der Landkreis sich an den Kosten für die noch erforderlichen Untersuchungen für ÖPNV-Verbesserungen in Ditzingen, Korntal und Schwieberdingen beteiligt. Er stehe der vorgeschlagenen Verbindung offen gegenüber, zumal sich weitere Möglichkeiten für Korntal und Ditzingen aus der Reaktivierung der Schiene Markgröningen-Ludwigsburg ergeben würden. Diese Verbindung könnte potenziell auf bestehenden Gleisen über Korntal und Ditzingen sogar bis Leonberg und Renningen verlängert werden.

Zunächst stehen weitere vorbereitende Planungen an, und die müssen finanziert sein. Gestern Abend hat Ludwigsburgs Bauausschuss für einen Teil der Doppelstrategie zum Ausbau des Nahverkehrs einer Kostenverteilung mit den Nachbarn Remseck, Kornwestheim, Markgröningen und Möglingen zugestimmt. Der Kostenschlüssel bezieht sich auf die Schienenprojekte, sowohl auf die Niederflurstadtbahn als auch auf die Reaktivierung der Markgröninger Eisenbahnstrecke. Der Ausschuss stimmte einstimmig zu.

Demnach sollen fünfzig Prozent der Kosten vom Landkreis getragen werden, der Rest verteilt sich auf die beteiligten Kommunen, wobei Einwohnerzahl, die Anzahl der Haltestellen und die Fahrleistung in Kilometern auf dem jeweiligen Gemeindegebiet einberechnet werden. Nicht berücksichtigt sind Baukosten, Investitionskosten Personalkosten und Grunderwerb.

Eine vorgelegte Beispielrechnung zeigt in etwa die Belastungen auf. Sollten etwa 650 000 Euro Planungskosten anfallen, ergibt sich für Ludwigsburg ein Anteil von 134 000 Euro, für Kornwestheim von 62 000 Euro und für Möglingen und Markgröningen jeweils 64 000 Euro.

Bei Gesamtkosten von Stadtbahn (215 Millionen) und Reaktivierung (32 Millionen Euro) kämen auf die Stadt Ludwigsburg bei Planungskosten von insgesamt 37 Millionen Euro rund 10,4 Millionen, die sie zu finanzieren hätte.

Die Planungen für die Schienen werden von Ludwigsburg ergänzt durch Planungen für eigene BRT-Trassen, die sowohl die Weststadt als auch die Oststadt anbinden sollen. Der Ausschuss hat sich mehrheitlich bereits festgelegt. In der Weststadt auf eine Trasse über Hoferstraße und Mörikestraße in Richtung Waldäcker, wo ein Verkehrsknoten mit Parkhaus entstehen soll (wir berichteten). In der Oststadt wird die Trasse über die Fuchshofstraße favorisiert.

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Peter Maier-Stein und Hans-Peter Jans
05. Juli 2018
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