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Oberstenfeld

Die perfekte Kulisse für das Hexenfeuer

Die Hufe des Pferdes klappern laut auf dem gepflasterten Weg. Langsam entfernt sich der Reiter, der seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hat, von der Burg. Nur schwer kann er das Tier, das sichtlich aufgeregt ist, zurückhalten. Der Kameramann, der Regisseur, der Tonmann und viele Helfer stehen an der Seite und hoffen, dass die Szene ohne Probleme über die Bühne geht. Geschafft – alles ist im Kasten. Der Mann, der auf dem Rücken des Pferdes sitzt, ist eigentlich längst tot. Doch für einen Filmdreh wird der Autor und Wegbereiter der Hexenverbrennung, Heinrich Kramer, wieder zum Leben erweckt. Grundlage des Films ist sein 1486 veröffentlichtes Buch „Hexenhammer“.

Schauplatz des Films „Hexenwahn“, der im Juni im SWR zu sehen sein wird, ist unter anderem die Burg Lichtenberg, die im Besitz von Burgherr Dietrich Baron von Weiler ist. Vor einiger Zeit erreichte ihn ein Anruf des Regisseurs Roland May. Dann ging alles ganz schnell. Nach einem Besuch einigten sich die beiden darauf, dass einige Teile des „Hexenhammers“ in Oberstenfeld gedreht werden dürfen. Kramer selbst schrieb das Buch, um seine Position zu stärken und die Hexenverfolgung zu rechtfertigen. „Heinrich Kramer glaubte damals, dass er die Menschheit retten würde, indem er sie vor den Hexen beschützt. Er war von dieser Idee besessen“, so der Regisseur.

„Die Zusammenarbeit mit den Menschen vom Film ist sehr harmonisch“, sagt der Baron. „Bei uns waren schon häufiger Filmteams anwesend. Wir kennen uns also damit aus.“ Auch der Regisseur schwärmt: „Die Burg ist einfach perfekt für diesen Teil des Films. Wir haben uns auch in Ravensburg umgeschaut. Die Stadt war als Filmset unbrauchbar, obwohl es der Originalschauplatz gewesen wäre. Dort ist alles viel zu modern gewesen.“ Die Straßen bestehen aus Läden, ein Hauch von Mittelalter fehlte komplett.

Genau das, was sie in Ravensburg vermisst haben, fanden die Filmemacher auf der Burg Lichtenberg. „Die Burg stammt aus Zeiten der Staufer. Es gibt wenige Burgen, die noch so erhalten sind, wie sie damals eben waren. Unser Zuhause ist im Grunde genommen ein Unikat in dieser Region und seit 1482 in Familienbesitz“, sagt der Burgherr.

Von Mittwoch bis zum heutigen Samstag ist das Team der lavafilm GmbH aus Berlin zu Gast in dem mittelalterlichen Herrschaftsgebäude. Und heute wird es noch einmal besonders spannend: In der Abenddämmerung werden zwei Hexen für den Film auf einem Scheiterhaufen verbrannt. „Hierfür kommt auch die Feuerwehr Oberstenfeld vorbei, damit das Ganze auch geregelt abläuft und nichts passiert“, so der Baron von Weiler. Teilweise wurden Türen im Hof ein altertümlicher Anstrich verpasst, ansonsten habe die Burg laut Regisseur May aber „alles zu bieten, was man sich wünscht“. Neben der Essenshalle, dem Hof oder dem Bergfried verfügt die Burg beispielsweise auch über eine Kapelle und einen Kerker. Requisiten wie einige Holzwagen mit Stroh, Gemüse und Früchte, die im Hof ausgelegt sind, und mehrere Tierfelle erinnern an ein Markttreiben aus früherer Zeit.

Für Regisseur Roland May und Hauptdarsteller Sascha Tschorn ist die Arbeit an dem Film etwas ganz besonderes. „‚Der Hexenhammer‘ ist Weltliteratur. Es ist eine schöne Aufgabe, aber auch Herausforderung zugleich“, so Tschorn. Die Hexen und die Magie seien laut May noch immer ein aktuelles Thema. „Es ist verwunderlich, wie viel Aberglaube auch heute noch in der Bevölkerung steckt. Das Buch von Heinrich Kramer ist einer der Gründe, warum der Hexenwahn sich damals in diesem Ausmaß ausbreiten konnte.“ Mit dem Film will der Regisseur aufzeigen, warum vor langer Zeit so viele Menschen auf dem Scheiterhaufen sterben mussten.

Dietrich Baron von Weiler und seine Frau Ulrike Baronin von Weiler sind bemüht, das gleichermaßen schwierige wie geliebte Kulturdenkmal weiter zu erhalten. „Bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs ist die Burg weitestgehend von Zerstörungen jeglicher Art verschont geblieben“, erzählt der Baron, der mit seiner Frau in der befestigten Gebäudeanlage wohnt. Doch im April 1945 seien rund 20 Panzersprenggranaten in der Burg eingeschlagen. In den folgenden Jahren seien dann die Schäden beseitigt und die Festung wieder in den Zustand versetzt worden, in dem sie heute ist.

von vera benner
09. März 2018
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