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Die katholische Kirche will es wissen

Was sich die Gläubigen in der Seelsorgeeinheit Freiberg/Pleidelsheim/Ingersheim wünschen, sollte mithilfe einer Befragung herausgefunden werden. Hier ein Bild der Freiberger Kirche St. Maria.Archivfoto: Holm Wolschendorf

Unter dem Motto „Die katholische Kirche will’s wissen“ fand in der Vorweihnachtszeit eine Umfrageaktion in der Seelsorgeinheit Freiberg/Pleidelsheim/Ingersheim statt. Ziel ist es, „die Kirche am Ort und an vielen weiteren Orten zu gestalten“. Mittlerweile sind die Bögen ausgewertet.

Josef Trompeter, zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderats Freiberg, und seine Kirchengemeinderatskollegin Birgit Schmidmeier haben im Gespräch mit unserer Zeitung die Ergebnisse vorgestellt und erläutert. „Der Rücklauf liegt mit rund fünf Prozent zwar unter unseren Erwartungen, dafür ist die inhaltliche Qualität sehr hoch und deshalb sind wir zufrieden“, erklärt Birgit Schmidmaier. „Die Teilnehmer haben sich sehr viel Mühe gemacht und wir haben beim Lesen oft gesagt: Wie toll ist das!“

Die Zahl der Teilnehmer entspreche den Gottesdienstbesuchern an einem Sonntag, jedoch seien die Beteiligten nicht identisch. Dass die Altersgruppe 16 bis 20 Jahre überhaupt vertreten ist, resultiert aus einer Kooperation mit einer Oberstufenklasse der Oscar-Paret-Schule.

Am stärksten beteiligte sich die Altersgruppe 46 bis 60 Jahre, die überdurchschnittlich oft an der Online-Befragung teilgenommen hat. „Viele Leute haben aber auch die Fragebögen im Internet zwar angeschaut, aber sie dann doch nicht ausgefüllt und abgespeichert“, erzählt Schmidmaier. Gerade die Beantwortung von offenen Fragen sei als schwierig empfunden worden, doch erfahre man so am meisten von den Bedürfnissen.

Die Gottesdienste werden von vielen Befragten als Möglichkeit empfunden, den Glauben zu leben. Allerdings sagt auch rund ein Drittel der Teilnehmer, dass sie ihren Glauben in den bestehenden Angeboten nicht leben können. Deutlich wird durch die Umfrage der Wunsch nach Veränderung, vor allem bei der Kinder- und Jugendarbeit oder den Gottesdienstformen. Auch mehr Ökumene wird gewünscht.

Auf so mancher Wunschliste steht auch die Bewahrung von Werten und Ritualen. Das meist genannte Wort in der Aktion ist Offenheit. Diese wünscht man sich in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel in Bezug auf die Öffnung des Priestertums für Frauen. „Man träumt von einer offenen, modernen Kirche, die Orientierung und Halt gibt“, fasst Josef Trompeter zusammen. Tolerant, respektvoll, hilfsbereit sollte Kirche sein, damit die Gemeinschaft den Menschen guttut. Religionsunterricht fanden alle außer den Schülern wichtig, die lieber Ethik hätten.

Wie die eigene Kirchengemeinde auf den Befragten wirkt, wird in den einzelnen Orten unterschiedlich empfunden. Während die Freiberger an erster Stelle die Eigenschaft „offen“ nennen, und an zweiter Stelle „veraltet“, ist es in Pleidelsheim/Ingersheim genau umgekehrt. Auch überwiegen in Freiberg positive Benennungen, in den beiden anderen Orten sind die negativen wie bieder, rückständig, verstaubt genauso oft vertreten. Pfarrer Andreas Szczepanek, der für die Seelsorgeinheit zuständig ist, bekommt laut Schmidmaier und Trompeter sehr positive Bewertungen.

Und was würde fehlen, wenn es die Kirche nicht gebe? Auch da gibt es klare Antworten: Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Glaube und Nähe zu Jesus oder Heimat. Gerade für Senioren ist der Gottesdienst oft Höhepunkt der Woche, aber auch jüngeren gibt er Halt, Kraft oder Impulse für den Alltag. „Die Antworten der Umfrageaktion dienen als Basis für die weitere Entwicklung unserer Kirche“, erklärt Josef Trompeter. „Der mehrjährige Entwicklungsprozess soll dazu beitragen, dass wir Kirche mutig gestalten und wo nötig, auch verändern.“ Selbstkritisch bemerkt Trompeter: „Es wird von der Kirche auch als Fehler der Vergangenheit erkannt, dass man den Leuten vorschreibt, was sie tun sollen.“ Birgit Schmidmaier ergänzt: „Wir wollen nicht die Kirche füllen, sondern haben den Auftrag, in die Lebenswelten der Menschen zu gehen und dort die Botschaft zu verteilen.“ Das könnten Aktionen am Bahnhof sein, in Schulen oder im Seniorenheim, nennt sie Beispiele und ergänzt: „Der Weg ist das Ziel.“ Eine erste konkrete Reaktion auf die geäußerten Wünsche ist die Verlängerung und Erweiterung der Stelle für einen Jugendreferenten. Man hofft nun, auf geeignete Bewerber. Außerdem gibt es eine Unterschriftenaktion für alternative Zugänge zum priesterlichen Leben, was vielen Befragten wichtig ist. Allein am Palmsonntag wurden bereits 300 Unterschriften gesammelt.

Beate Volmari
19. April 2017
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