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Die Tunneltechnik ist abgesoffen

Das war so nicht geplant. Und das ist bisher auch noch nie passiert. Als die Techniker gestern Morgen mit den lange geplanten Wartungsarbeiten im Betriebsgebäude des Grotztunnels beginnen wollten und die Platten des doppelten Bodens zur Elektrotechnik öffneten, entdeckten sie Wasser, das 20 Zentimeter hoch unter dem Boden stand. Eine hektische Betriebsamkeit setzte ein.

Während des Starkregens am Mittwoch floss durch den Gottlob-Grotz-Tunnel ein reißender Strom. Auf bisher unbekannten Wegen ist dabei Wasser in das Technikgebäude eingedrungen. „Im schlimmsten Fall hätte ein Kurzschluss die Technik ausfallen lassen und über die Notstromversorgung wäre der Tunnel sofort für den Verkehr gesperrt worden“, sagt Elektrikbauleiter Michael Gießel von der Wartungsfirma Siemens.

Gießel gilt als ausgewiesener Kenner des Grotztunnels. Außer ihm ist nur Bauamtsleiter Claus-Dieter Jaisle mit dem Bauwerk besser vertraut. Doch Jaisle, ist derzeit krank und wird von Thomas Zeh vertreten. Gießel und Zeh stimmten die eilig eingeleiteten Maßnahmen ab.

„Zunächst einmal müssen das Wasser so rasch als möglich raus und die Räume getrocknet werden“, sagt Thomas Zeh. Die Feuerwehr lieferte dazu die notwendigen Absauggeräte. Parallel davon wird mit den planmäßigen Wartungsarbeiten der Technik und Sicherheitseinrichtungen begonnen. Nach den gesetzlichen Vorschriften muss im halbjährlichen Turnus die gesamte elektrische Einrichtung überprüft und gewartet werden.

Dazu ist es erforderlich, alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen im Tunnel vorübergehend außer Betrieb zu nehmen. Aus diesem Grund kann ein Befahren der Tunnelröhre nicht zugelassen werden. Der Verkehr wurde, wie immer während der Sperrung, über die Ludwigsburger Straße und Bahnhofstraße umgeleitet.

Täglich durchqueren bis zu 16 000 Fahrzeuge den Grotztunnel in beiden Richtungen, der auf einer Länge von 640 Meter den Stadtteil Bissingen unterquert. Er entspricht dem europaweiten Sicherheitsstandard neu gebauter Tunnel.

Knapp 2,5 Millionen Euro wurden bei der vergangenen Umbaumaßnahme für ein neues Brandmeldesystem und andere Sicherheitstechnik ausgegeben. Regelmäßig übt die Feuerwehr vor Ort, um im Notfall schnell reagieren und auch auf die notwendige Ortskenntnis zugreifen zu können.

Die Abteilung Bissingen hält für Einsätze in Tunnels eine spezielle Ausrüstung bereit. Gestern Abend übten die Einsatzkräfte, unter Abteilungskommandant Manfred Daub, wieder bei total verrauchter Röhre. Normalerweise würde der Verkehr am Samstagnachmittag wieder freigegeben. Doch diesmal erst am Sonntag, weil die Radstrecke des Bietigheimer Triathlons durch die Tunnelröhre führt.

von alfred drossel
06. Juli 2018
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