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Ludwigsburg

Der Antrag auf Einbürgerung läuft

Lizzie Schönbrodt ist mit ihrer Familie von London nach Freiberg gezogen und unterrichtet hier Englisch. Foto: Bürkle

Bis vor sechs Jahren wohnte sie in der englischen Millionenmetropole London an der Themse, hatte beim Shopping eine riesige Auswahl auf der Oxford Street oder bei Harrods und freute sich über ein überreiches Kulturangebot in Londoner Museen und Theatern. Heute lebt sie in Freiberg, kauft dort auf dem Marktplatz ein und trägt durch ihr eigenes Engagement im Kulturverein zum kulturellen Angebot in der Stadt bei.

Aufgewachsen ist Lizzie Schönbrodt im englischen Nottingham, das auch hierzulande durch die Legende um Robin Hood ein Begriff ist. Nach dem Hotelfachstudium in Manchester arbeitete sie wenige Jahre in Nottingham, bevor sie 1999 nach London ging. Dort arbeitete sie zunächst in einem Hotel und unterrichtete dann im College angehende Hotelfachleute.

Ebenfalls 1999 trat auch der Freiberger Architekt Harald Schönbrodt seine neue Arbeitsstelle in London an. Doch sollte es noch zwei Jahre dauern, bis sich die beiden auf einer Party kennenlernten und ihre Handynummern austauschten. Schnell wurden sie ein Paar, 2004 fand in London die Hochzeit statt. Tochter Ella kam 2005 auf die Welt, Sohn Felix drei Jahre später. Während ihr Mann immer wieder davon sprach, dass die Familie in Deutschland leben sollte, schob Lizzie Schönbrodt die Entscheidung hinaus. Doch im April 2011 war es dann so weit: Mit Sack und Pack zogen die Schönbrodts in seine Heimatstadt Freiberg. „Wir haben damals beschlossen, erst einmal zwei Jahre hierzubleiben und zu sehen, ob es funktioniert. Erst dann wollten wir entscheiden, ob wir in Deutschland bleiben oder zurück nach England gehen“, sagt Lizzie Schönbrodt, deren Kinder zweisprachig aufwachsen.

Dekorierte sie anfangs das Geisinger Reihenhaus mit Fahnen, Bildern und anderen Souvenirs aus ihrem Heimatland, so erinnern heute nur noch wenige Stücke an die Herkunft der Hausherrin. „Ich habe mich sehr gut eingelebt und fühle mich in Freiberg wohl“, sagt die 43-Jährige. Lachend ergänzt sie, dass ihr Mann gelegentlich sagt: „Du bist mehr Deutsche als wir.“ Denn Ordnung, Pünktlichkeit und die Einhaltung von Regeln sind ihr wichtig.

Konnte Lizzie Schönbrodt anfangs nur wenig Deutsch, so spricht sie es mittlerweile fließend. „Jetzt habe ich die Einbürgerung beantragt“, sagt die Engländerin, die diesen Schritt ursprünglich als unnötig erachtet hat. Doch der Brexit lässt sie befürchten, ohne deutsche Staatsangehörigkeit hierzulande nicht mehr arbeiten zu dürfen. Die mehrheitliche Entscheidung ihrer Landsleute für den Austritt aus der EU ist für Lizzie Schönbrodt absolut unverständlich, das Ergebnis hat sie überrascht. Noch kann sie neben dem deutschen auch den englischen Pass behalten, sie hofft, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.

Seit Lizzie Schönbrodt in Freiberg lebt, unterrichtet sie ihre Muttersprache. Zunächst hat sie „The Little English Garden“ in ihren eigenen vier Wänden ins Leben gerufen und Kindergartenkindern erste Sprachkenntnisse vermittelt. Das hat sie dann wieder aufgegeben. Seit 2013 arbeitet sie als Englisch-Dozentin an der Volkshochschule. Außerdem leitet sie seit vergangenem Dezember einmal monatlich die Konversationsrunde „Let’s have a chat“ in der Freiberger Stadtbibliothek. Auch darüber hinaus ist Lizzie Schönbrodt sehr engagiert. Nachdem sie bereits im Kindergarten als Elternbeirätin fungierte, hat sie dieses Amt jetzt auch in der Klasse ihrer Tochter an der Oscar-Paret-Schule übernommen. Sie engagiert sich außerdem beim Kulturverein und hilft auf Veranstaltungen bei der Bewirtung. Auch wenn der Turn- und Sportverein, bei dem sie Spinning und Gymnastik betreibt, oder die Schulen ihrer Kinder eine Veranstaltung haben, ist sie eine zuverlässige Helferin.

Nach England reist sie mehrmals jährlich, und auch ihre Eltern kommen ab und zu auf Besuch nach Freiberg, so dass sie kaum noch Heimweh hat.

Beate Volmari
15. Mai 2017
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