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Hoheneck

Das Tierheim erfindet sich derzeit neu

„Das ist das Modernste, was man derzeit bauen kann“, sagt Holger Blinzinger. Stolz führt er durch den völlig neuen Hundezwinger, für den der Tierschutzverein jahrelang gekämpft hat. Seit Ostern ist der Bau in Betrieb. Etwa 30 Hunde haben in dem Zwinger Platz. Immer zwei von ihnen teilen sich einen Raum und einen Außenbereich. Durch Zwischenwände sind sie von den anderen Hunden getrennt – die Tiere können sich nicht sehen. „So können wir den Stress für die Hunde minimieren, dadurch bellen sie weniger“, sagt Blinzinger, der bis vor kurzem Vorsitzender des Tierschutzvereins war.

Lärmgutachten für den Hundezwinger

Zuvor hatte es jahrelang Auseinandersetzungen um die Pläne des Tierheims gegeben. Am Kugelberg in Hoheneck liegt es zwar weit außerhalb des Stadtteils, aber einige Anwohner gibt es dort trotzdem. Und die fühlten sich von dem Hundegebell gestört. Außerdem gab es Streit mit einem landwirtschaftlichen Betrieb, der direkt an das Tierheim-Areal grenzt. Die Stadtverwaltung blockierte über lange Zeit alle Umbaupläne.

Doch der Tierschutzverein hatte einen langen Atem. In der Zwischenzeit hat der Verein das benachbarte Gehöft gekauft und in das eigene Areal integriert. Für den neuen Hundezwinger wurde ein Lärmgutachten erstellt. „Wir erfüllen alle Lärmschutzauflagen der Stadt“, sagt Blinzinger. Die Grenzwerte würden eingehalten. Auch klimatisch hat der neue Bau für die Hunde einiges zu bieten. Im Sommer ist er luftig und schattig, im Winter sind die Räume beheizbar und bleiben warm, weil sich der Bau schließen lässt. Zudem gibt es eine Futterküche samt Waschmaschine und Trockner. Stolze 900 000 Euro hat das moderne Bauwerk gekostet.

Finanziert wurden der Bau und auch der Ankauf des Nachbarhofs über zwei Millionenerbschaften, die der Tierschutzverein vor einigen Jahren erhalten hat. Die Verwendung des Geldes war daran gekoppelt, es für eine Erweiterung oder Neubauten zu verwenden.

Auch beim Umbau des Nachbargehöfts – eine ehemalige Hühnerfarm – ist der Tierschutzverein weitergekommen. Das Gelände birgt eine Menge Potenzial und wird in verschiedenen Schritten angegangen, erklärt Blinzinger. Das langgezogene Gebäude direkt vor dem Tierheimeingang – einst ein Hühnerstall – hat schon ein neues Dach. „Jetzt kommt noch eine Dämmung an die Wand“, sagt Blinzinger.

Masterplan für die kommenden Jahre

Im nächsten Schritt wird die Innenaufteilung neu organisiert. Ein Drittel ist als Lager vorgesehen, ein Drittel für Klein- und Huftiere, der Rest soll als Indoor-Trainingsplatz, vor allem für Hunde, genutzt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 300 000 Euro.

Auch die Planungen für den Umbau des alten Wohnhauses, das zu dem Gehöft gehört, laufen. Das Gebäude muss komplett saniert, alle Leitungen ausgetauscht werden. Am Ende sollen dort eine Tierarzt-Praxis, Versammlungsräume und einige Schlafmöglichkeiten, etwa für Tierpfleger, untergebracht werden, erklärt Blinzinger.

Der einstige Taubenschlag wird jetzt schon als Taubenhaus genutzt. Die Mitarbeiter des Tierheims tauschen die Eier der Vögel gegen Attrappen aus: „So halten wir die Population im Griff.“ Auch einige Schuppen des Gehöfts bleiben stehen.

Mit dem Masterplan „Tierheim 2020“ beschreibt der Tierschutzverein die weiteren Entwicklungen auf seinem Gelände für die kommenden Jahre. So ist etwa auch für Katzen- und Kleintiere ein neues Gebäude vorgesehen.

In einem Punkt ist der Tierschutzverein bisher aber nicht weitergekommen. Das Grundstück, auf dem das Tierheim steht, gehört weiterhin der Stadt. „Wir wollen sehr gerne kaufen, der Preis steht schon fest, nur die Bedingungen sind noch strittig“, sagt Blinzinger. Konkret geht es um vertragliche Details für einen Rückkauf, sollte der Tierschutzverein eines Tages das Tierheim am Kugelberg aufgeben.

Christian Walf
06. Juli 2018
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