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Freiberg

Bizeps, Latissimus und Sixpack

Starke Typen lassen bei der Internationalen Süddeutschen Meisterschaft im Fitness und Bodybuilding die Muskeln spielen. Foto: Ramona Theiss

Bereits zum zehnten Mal wurde der Wettbewerb des National Athletic Comitee (NAC), einer der größeren deutschen Bodybuilderverbände, in Freiberg ausgetragen. Dass die Muskelmänner und -frauen nicht wie in den Vorjahren samstags antraten, war dem Krämermarkt geschuldet. „Beides an einem Tag abzuhalten, ist logistisch nicht möglich“, erklärte Verbandsvorsitzender Attila Hercsuth, der in Freiberg als Schwimmmeister des Stadtbads bekannt ist. Für die Veranstaltung war der Sonntag nicht von Nachteil: Mit knapp 100 Athleten war die Beteiligung an der Meisterschaft rund 20 Prozent höher als üblich. Auch das Publikum strömte in Massen, die rund 400 Sitzplätze reichten nicht aus.

Bevor die Teilnehmer auf der Bühne die Muskeln spielen ließen und Doppelbizeps, Latissimus und Sixpack präsentierten, war die Bräunungsprozedur angesagt. Denn die Muskeln kommen bei gebräunter Haut besser zur Geltung, Konturen werden deutlicher wahrgenommen. Die meisten Athleten nutzten den professionellen Service im Bräunungszelt und ließen sich die Bräunungscreme mit einer Spritzpistole auftragen. Wer die Kosten scheute, arbeitete mit einem Farbroller wie ein Anstreicher.

In den Kategorien Newcomer und Bodybuilding, Figur und Athletic sowie Bikini Shape und Mens Physique traten die muskelgestählten Männer und Frauen in 15 verschiedenen Wertungsklassen an. „Die brutalste Klasse“, wie Moderator Tamer Galal anpries, waren die Männer der Klasse Body III. „Und jetzt seitliche Brustpose beste Seite und Trizepspose und Doppelbizeps. Most Muscle-Männer zeigt euch!“, heizte Galal in Marktschreiermanier die Stimmung derart an, dass die Krämer vom Vortag noch einiges von ihm hätten lernen können.

Bürgermeister im roten Höschen

In der Kategorie Bikini Shape und Mens Physique kam es nicht auf die Muskelmasse an, „sondern auf Sixpacks und hübsche Mädle mit gutgeformten Popos“, so Hercsuth. „Oh Gott, mein Herz“, stöhnte ein junger, männlicher Zuschauer, als eine Athletin in Bikini dicht an ihm vorbeiging. Während die einen auf der Bühne um die Pokale kämpften, übten die anderen ihr Posing im Foyer vor dem großen Garderobenspiegel oder ließen sich mit Fans fotografieren. Auch der Mundelsheimer Bürgermeister Holger Haist war als Teilnehmer der Klasse „Body +50“ dabei. Im knappen roten Höschen zeigte er seine Muskeln und qualifizierte sich für die deutsche Meisterschaft in zwei Wochen. Für ihn war das keine Zitterpartie, „da es in meiner Klasse nur vier Teilnehmer gibt und sich fünf qualifizieren“, erzählte er schmunzelnd.

Die Vorbereitung auf einen Wettkampf ist hart und erfordert viel Disziplin. Neben Kraft- und Ausdauertraining muss wochenlang ein strikter Ernährungsplan eingehalten werden. „Eine Woche vor dem Wettkampf trinke ich täglich acht Liter Wasser und gehe dann drei Tage vorher mit der Menge immer mehr runter. Am letzten Tag trinke ich gar nichts mehr und lade dafür Kohlenhydrate“, erzählt Bodybuilder Antonio Carbonaro unserer Zeitung. Mit Stolz erwähnte er, dass er seinen muskulösen Körper auch bei der RTL-Nackedei-Show „Adam sucht Eva“ präsentiert. Gut definierte Muskeln gab es den ganzen Tag zu sehen, doch Ronny Rockel übertraf alles. Der Profibodybuilder, einer der erfolgreichsten Deutschlands, der eine Woche zuvor noch in China und England antrat, war zu Autogrammstunde und Gastauftritt nach Freiberg gekommen. Der Saal tobte, als er nach der Siegerehrung zu Rock von AC/DC von der Bühne sprang und sein Posing zwischen die Zuschauerreihen verlegte. „Ronny Rockel zum Anfassen“, brüllte der Moderator, bevor Show und Wettkampf vorbei waren.

Beate Volmari
05. November 2018
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