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Ludwigsburg

Bessere Infos für Fußgänger

Einer der Entwürfe: So könnten die neuen Schilder aussehen. Rechts: die Info-Tafel mit Stadtplan. Foto: Stadt Ludwigsburg

Wer in einer fremden Stadt zu Fuß unterwegs ist, ist froh, wenn er möglichst konkrete Hinweise bekommt. 300 Meter bis zum Bertolt-Brecht-Haus, heißt es etwa in Berlin. Oder 650 Meter bis zu den Hacke’schen Höfen. Das gehört inzwischen zum Standard, will eine Stadt Fußgänger – davon viele Touristen – zu den wichtigen Punkten und Sehenswürdigkeiten lotsen.

In Ludwigsburg ist die Beschilderung in die Jahre gekommen. Sie ist teils fehlerhaft, teils kurios. So zeigt beispielsweise ein Schild zum Blühenden Barock nach rechts, ein Pfeil auf dem Schild in die Gegenrichtung, oder bestenfalls um die nächste Kurve herum (siehe oben). Zudem fehlen Piktogramme und Unterscheidungen zwischen wichtig und unwichtig: Das Film- und Medienzentrum wird genauso angekündigt wie die Innenstadt, obwohl man sich bereits in der Innenstadt befindet. Das soll sich ändern. Im Ausschuss für Bauen, Technik und Umwelt sind erste Ideen dazu vorgestellt worden.

Wie Stadtplanungschef Martin Kurt berichtet, stammt die Beschilderung aus den 90er Jahren und ist später immer wieder ergänzt worden. „Eine Neugestaltung ist nötig, es gibt erhebliche Schwachstellen“, so Kurt. Es gehe vor allem auch darum, wie Gäste begrüßt und durch die Stadt geführt werden. Es gibt keine übergeordnete Wegführung, keine Entfernungs- oder Zeitangaben, keine Hierarchisierung. Jeder Schildermast steht für sich.

Wichtig sei, nicht nur auf Ziele hinzuweisen, sondern diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind, auch zu begleiten – das heißt, dass man auf dem weiteren Weg schrittweise informiert wird. „Der Fußgänger braucht eine Bestätigung, dass er auf dem richtigen Weg ist“, heißt es in dem Konzept, das die Firma Jägle Kommunikationsdesign entwickelt hat. Solche Hinweise sollen dazu anregen, Strecken auch zu Fuß zurückzulegen.

Dabei soll auch darauf geachtet werden, dass die Wege barrierefrei sind. Denn da gibt es in der Innenstadt nach wie vor noch Lücken. Selbst an vorhandenen Fußgängerüberwegen – etwa von der Wilhelmstraße in Richtung Blühendes Barock – bleiben Ältere mit Rollatoren an der abgesenkten Bordsteinkante hängen, wie jüngst ein Beispiel zeigte. Nur weil eine junge Frau half, kam die Dame rechtzeitig über die Straße.

So sehr die Stadt auf Digitalisierung steht, sollen in der Innenstadt weiterhin Schilder bleiben. „Das wird nicht digital ersetzt“, so Kurt, der auf die Erfahrung in anderen Städten verweist. Denkbar wäre, wie die Grünen im Ausschuss anregten, einen QR-Code zusätzlich anzubringen, mit dem die Infos direkt aufs Handy gelangen.

55 neue Masten müssten anstelle der alten aufgestellt werden, dazu kommen, so das Konzept, 14 Info-Tafeln, die mit einem Übersichtsplan auf die nächstliegenden Sehenswürdigkeiten und Zielorte hinweisen. Auch bei den Parkhäusern sollen Standortspläne angebracht werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 130 000 Euro. 50 Prozent davon können gefördert werden, ab Frühjahr 2019 könnte das Projekt, sofern es einen positiven Bescheid gibt, umgesetzt werden.

Im Ausschuss gab es Rückendeckung. „Wir brauchen das, wir wollen den Tourismus stärken“, befand Grünen-Stadträtin Christine Knoß. „Volle Unterstützung“ gibt es von der SPD, so Margit Liepins. „Ja, wenn es eine Förderung gibt“, sagte Andreas Rothacker (Freie Wähler). Für Elga Burkhardt (Lubu) ist Ludwigsburg „rückständigst bei der Ausschilderung“. Sie will die Stadtteile berücksichtigt wissen.

Ob das alles sein muss, stellt CDU-Stadtrat Reinhold Noz das Anliegen infrage. „Es gibt genug Bebauungspläne, die bearbeitet werden müssen, der Wohnungsbau stockt – und jetzt beschäftigen wird uns mit Schildern“, kritisierte er. Doch Stadtplaner Kurt beschwichtigte: „Das kann gut nebenher laufen.“

Hans-Peter Jans
10. Juli 2018
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