Montag, 19.11.2018, 18:35 Uhr
keine Daten 4 °C
Ludwigsburg

Beifall und La-Ola-Welle zum Start

Jetzt geht’s los: Achim Dieterich hat die Laufschuhe geschnürt und Andy Diebel tritt in die Pedale. Foto: Holm Wolschendorf

Großes Aufgebot gestern Morgen um acht Uhr an der Burkinischen Hütte beim Kulturzentrum. Mitglieder des Förderkreises Burkina Faso, Oberbürgermeister Werner Spec, Polizisten und Feuerwehrleute waren in außergewöhnlicher Aktion vor Ort präsent: Sie applaudierten einem Mann zu, der sich anlässlich des 300-jährigen Stadtjubiläums einer außergewöhnlichen sportlichen Herausforderung stellt.

Der Polizeibeamte Achim Dieterich ist begleitet von dem Radfahrer und Stadtoberbrandmeister Andy Diebel zu einem 300-Kilometer-Lauf nach Montbéliard gestartet. Die französische Partnerstadt will er am Samstag erreichen und dann möglichst viele Geldspenden für den Kauf von Getreidemühlen in Burkina Faso zusammenbekommen. Sponsoren unterstützen die Benefizaktion des Polizeioberkommissars aus Poppenweiler ebenso wie Kollegen, Freunde und viele Bürger der Stadt.

Perfekte Vorbereitung

Kein Wunder also, dass der Start eine publikumsträchtige Aktion war, die Achim Dieterich denn doch ein wenig überraschte. Eine La-Ola-Welle und eine tutenden Feuerwehrsirene dienten dem Ultraläufer zum Auftakt als Ansporn. Auf den ersten zehn Kilometern seiner insgesamt 68 Kilometer langen ersten Etappe nach Nagold wurde der 47-jährige Dieterich zudem von weiteren Läufern, darunter einem Trio der Ludwigsburger Feuerwehr, begleitet.

Auf die Frage unserer Zeitung, wie er vor dem Start zu diesem großen Abenteuer geschlafen hat, meinte Dieterich nur: „Perfekt wie immer“. Aufregung war ihm nicht anzumerken, er genoss sichtlich die Szenerie sowie den Beifall und sah sich bestens vorbereitet für sein ambitioniertes Vorhaben. „Es freut mich, dass so viele gekommen sind“, sagte Dieterich und wirkte dann doch etwas gerührt.

Ersatzlaufschuhe im Gepäck

Radfahrer Andy Diebel muss jetzt nicht nur 300 Kilometer in fünf Etappen kräftig in die Pedale treten, sondern auch das Gepäck der beiden Sportler in den Satteltaschen transportierten. Die wichtigsten Utensilien: Fitnessriegel, Ersatzlaufschuhe, Waschzeug und Sportkleidung zum Wechseln. Das wird auch gebraucht, denn die 300 Kilometer sind bei diesem schönen Spätsommerwetter ganz schön schweißtreibend. Gestern ging es bis nach Nagold, heute läuft Dieterich über das Kinzigtal nach Hausach, am Donnerstag ist Freiburg im Breisgau das Ziel, am Freitag läuft er von dort ins elsässische Mulhouse und die letzte Etappe am Samstag führt ihn entlang des Rhône-Kanal-Radwegs nach Montbéliard, wo der Ultraläufer ebenfalls von Offiziellen empfangen wird. Der Ludwigsburger Oberbürgermeister Werner Spec wünschte Erfolg sowie gutes Gelingen und übermittelte die Grüße an die Freunde aus der Partnerstadt.

Spec würdigte überdies das Engagement Dieterichs für Burkina Faso. Die vor zehn Jahren gestartete Hilfe für das afrikanische Land ist ein gemeinsames Anliegen von Ludwigsburg und Montbéliard. „Das geschieht im Sinne der vom Klimawandel betroffenen Menschen in Afrika, ist aber auch in unserem Interesse“, betonte der OB. Der Chef von Dieterich, der Leiter des Polizeireviers Ludwigsburg, Harald Prasky, war ebenfalls vor Ort und sprach von einem großen sportlich-sozialen Engagement seines Beamten. Mit vor Ort war auch Saliou Gueye von der städtischen Koordinierungsstelle für kommunale Entwicklungszusammenarbeit. Gueye liegt das Projekt Getreidemühlen für Kongoussi sehr am Herzen und er freut sich, dass Achim Dieterich nun dafür eifrig Spenden sammelt. Das Geld wird laut Gueye dringend gebraucht, denn eine Getreidemühle kostet immerhin 5400 Euro.

Spenden sammeln für Getreidemühlen

Bei einer Delegationsreise im Januar 2017 wurden bereits zwei Getreidemühlen an Frauen in zwei Dörfern übergeben. Nun will der Förderkreis Burkina Faso für weitere sieben Dörfer jeweils eine Getreidemühle zur Verfügung stellen.

Bereits bei einem Delegationsbesuch haben die Frauen laut Gueye auf ihre spezielle Situation aufmerksam gemacht. Zentrales Thema sei in allen Dörfern die schwere Arbeit mit dem Mahlen von Hirse, Erdnüssen und anderen Produkten und damit einhergehend die fehlende Zeit bei der Bewirtschaftung der kargen Felder gewesen. Außerdem sei es erforderlich, dass in den Dörfern Komitees zur Begleitung und zum dauerhaften Betrieb der Getreidemühlen entstehen. Die Frauen würden überdies geschult und jedes Dorf müsse eine Lehmhütte mit verschließbarer Tür für die Getreidemühlen erstellen. Für jede Mühle müssten zudem ein oder mehrere technische Verantwortliche gefunden werden, dazu gehöre auch ein Konzept zur Bewirtschaftung. Die Getreidemühlen sollten dabei ausreichend Erträge abwerfen, damit der dauerhafte Betrieb zum Kauf von Treibstoff, Motoröl und Ersatzteilen gesichert sei.

Info: Achim Dieterich und Andy Diebel berichten in den sozialen Netzwerken und im Internet unter „run4ko" von ihrem Lauf. Das Spendenkonto: IBAN DE 40 6049 0150 0790 0790 03 Empfänger: Förderkreis Burkina Faso, Kennwort: run4ko.

Angelika Baumeister
11. September 2018
Impressum | Datenschutz