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Oberstenfeld

Bauschutt im Wald entdeckt

Diese Fotos machte eine Spaziergängerin zwischen Wunnenstein und Köchersberg. Foto: privat

An einer Waldwiese mit Zugang zu einem Hochsitz lag der Haufen Bauschutt. „Es war purer Zufall, dass ich das entdeckt habe“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie dokumentierte die sonderbare Entsorgung mit ihrem Mobiltelefon und schickte die Fotos an Peter Kochert. Der 64-Jährige ist Naturpädagoge, BUND-Mitglied, wohnt in Pfaffenhofen im Zabergäu und hat bei sich im Wald schon Ähnliches entdeckt. Auch die Spaziergängerin hatte bereits im März mitten im Wald von Beilstein riesige Mengen an Bauschutt entdeckt, mit denen Wege befestigt worden sind.

Kochert war damals nicht untätig geblieben, hatte sich ans zuständige Landratsamt Heilbronn gewandt, hatte eine Petition gestartet und war empört an die Öffentlichkeit gegangen. Auch unsere Zeitung hatte damals umfangreich über den Naturfrevel berichtet.

Im aktuellen Fall hatte sich Kochert ans zuständige Landratsamt Ludwigsburg gewandt und die Fotos geschickt, die die Spaziergängerin gemacht hatte. Die Untere Abfallrechtsbehörde hatte sich daraufhin des Falls angenommen, vor Ort aber nichts mehr gefunden. Auch die Spaziergängerin hatte am Feiertag vergangener Woche vergeblich den Bauschutthaufen gesucht: „Da war bereits alles verbuddelt, das hat man deutlich gesehen“, sagte sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb war sie mit einem Vertreter der Abfallrechtsbehörde gestern noch einmal vor Ort.

„Ja, der Weg ist bereits gebaut“, bestätigte Jonathan Alisch vom Landratsamt auf Nachfrage. Da es sich bei diesem Waldstück weder um Staats- noch um Gemeindewald, sondern um ein Waldstück im Privatbesitz handelt, bekommt der Eigentümer – der allerdings nicht derjenige sein muss, der den Bauschutt dort entsorgt hat – Post vom Landratsamt, denn das Material muss untersucht werden. Grundsätzlich ist es zwar nicht illegal, sortiertes und grob zerkleinertes Recyclingmaterial, das die Zuordnungswerte nach Z1.1 (Vorläufige Hinweise des Umweltministeriums zum Einsatz von Baustoffrecyclingmaterial) einhält, auf Waldwegen zu verbauen, um sie zu befestigen. Trotzdem gelangen mit dem Schutt – in der Regel Material aus Abbruchhäusern – immer wieder Giftstoffe in den Boden. Auch damit hat der BUND-Aktivist Peter Kochert seine Erfahrungen gemacht. Bei Probestellen im heimatlichen Zaberfeld seien die Grenzwerte mehr als siebenfach überschritten gewesen, sagt Kochert. Die Giftstoffe stammen meist von Material, das von alten Öltanks oder von Teer kontaminiert ist. „Wenn die Giftstoffe ins Grundwasser gelangen, wird es furchtbar teuer“, sagt Kochert, „und diese Kosten bleiben an den Gemeinden hängen. Und selbst wenn Abstände zu Wasserschutzgebieten eingehalten werden – was die Vorschrift Z1.1 unter anderem verlangt – „Wasser sucht sich seinen Weg!“ sagt Kochert, dem es vor allem darum geht, Druck auf die Umweltbehörden zu machen, damit die Praxis, Waldwege mit Bauschutt zu befestigen, ganz aufhört.

Bei Campact hat er deshalb eine Petition gestartet. Und auch Jonathan Alisch vom Landratsamt sagt: „Wir sind dankbar für Meldungen.“

Andrea Nicht-Roth
05. November 2018
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