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Remseck

Bauern machen gemeinsam Front

Ackerboden geht verloren, es wird mehr Verkehr angezogen – das sind einige der Argumente der Gegner des Nordostrings. Foto: Holm Wolschendorf

Unterschiedlicher können die Positionen zum Nordostring nicht sein als zwischen CDU und Grünen. Das ist bei der Veranstaltung am Samstag auf dem Sonnenhof deutlich geworden. Der Zusammenschluss „Bauern Miteinander“ hatte die beiden Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger (CDU) und Matthias Gastel (Die Grünen) zu einer öffentlichen Diskussion eingeladen hatte.

Der Sonnenhof, ein Erlebnisbauernhof an der Grenze zu Stuttgart-Mühlhausen, wäre stark von dem Nordostring betroffen. „Die Trasse würde in 100 Metern Entfernung quer über dem Acker verlaufen“, sagte Landwirt Lutz Herr bei der anschließenden Felderrundfahrt. Mit der ländlichen Idylle wäre es dort vorbei, aber auch an vielen anderen Stellen.

„Kein Nordostring – lieber heimische Landwirtschaft“, so lautet ein Slogan, mit dem Bauern aus den Stuttgarter Stadtteilen Zazenhausen, Mühlhausen und Zuffenhausen sowie aus Kornwestheim, Oeffingen, Schmiden und Fellbach klare Kante gegen dieses Straßenbauprojekt zeigen. Sie befürchten Eingriffe in die Landschaft und Natur, Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung. „Man sollte sich überlegen, wie viele Menschen von dem monströsen Straßenbauprojekt betroffen wären“, gab Kathrin Scheck aus Zazenhausen, Sprecherin des Zusammenschlusses „Bauern Miteinander“ , zu bedenken.

Der vierspurig geplante Nordostring sei keine Umfahrung für Remseck oder Stuttgart, sondern Teilstück einer neuen Autobahn zwischen dem Rheintal und Bayern, ideal geeignet für den Schwerlastverkehr. Stattdessen würden regionale und lokale Verkehrsverbindungen benötigt. Außerdem müsse der Öffentliche Personennahverkehr gestärkt werden. „Man sollte den Wert von Ackerböden, auf denen Lebensmittel angebaut werden, mehr achten“, appellierte sie wohl in erster Linie an Steffen Bilger. Denn die meisten ihrer Zuhörer – Landwirte, Naturschützer und grüne Politiker – hatte sie ohnehin auf ihrer Seite.

„Es ist kein Geheimnis, dass sowohl die CDU als auch ich für den Nordostring sind“, nahm der CDU-Abgeordnete den Ball auf. Er wies auf die prognostizierte Zunahme des Personen- aber auch des Schwerlastverkehrs hin. Deshalb habe die Bundesregierung den Nordostring, dem man eine hohe Wirtschaftlichkeit bescheinige, in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Es gebe noch viele offene Fragen, die erst während des Planungsprozesses geklärt werden könnten. Dabei geht es um den Verlauf der Trasse ebenso wie eine mögliche Überdeckelung.

Für Matthias Gastel ist es dagegen ein falscher Ansatz, von einer linearen Zunahme des Verkehrsaufkommens auszugehen, anstatt den Verkehr zu steuern. Er wies darauf hin, dass das Land Baden-Württemberg dieses Vorhaben weder für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet, noch Interesse an der Umsetzung habe. Dabei handele es sich um eine Eigeninitiative des Bundes sowie einiger Abgeordneter. Es sei absurd über den Nordostring nachzudenken, dessen Bedarf im Gegensatz zu vielen anderen Projekten als nicht vordringlich eingestuft sei. Zudem gebe es massive ökologische Konflikte: „Die Trasse würde die Landschaft dort zerschneiden, wo sie momentan noch frei und offen ist.“ Das Land wolle den Nordostring ebensowenig wie die Städte Stuttgart, Kornwestheim und Fellbach. Die veranschlagten Baukosten in Höhe von rund 200 Millionen Euro solle man lieber in den Ausbau von Bus und Bahn investieren.

„Straßen ziehen Verkehr an“, das war ein Argument, das mehrfach zu hören war. „Wir reden über guten Ackerboden, der zubetoniert werden soll“, kritisierte Peter Rauscher, der für Die Linke der Regionalversammlung angehört. Dort habe es trotz der mehrheitlichen Zustimmung für dieses Projekt durchaus kritische Stimmen gegeben. Er regte an, nach Alternativen zu suchen und etwa die Schusterbahn zu reaktivieren. Björn Peterhoff, Mitglied der Grünen-Ratsfraktion in Stuttgart, bekräftigte das Nein der Landeshauptstadt gegen den Nordostring. Dort würde man sich eher die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen und die Einführung der Blauen Plakette wünschen. Frank Handel, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Ludwigsburg, machte darauf aufmerksam, dass die meisten Fahrten innerhalb der Stadt Strecken zwischen zwei und fünf Kilometer betragen. Und die ließen sich gut mit dem Rad zurücklegen. Er sprach sich zudem für den Bau von Radschnellwegen aus.

Steffen Bilger warf der Stadt Stuttgart vor, sich auf eine grüne Position zurückzuziehen, anstatt nach einer regionalen Lösung zu suchen.

Marion Blum
11. März 2018
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