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Ludwigsburg

Barrieren in Sportstätten sollen weichen

Barrieren auf der Spur: Die Stadt hat die Sportstätten unter die Lupe genommen.Foto: Daniel Maurer/dpa

Gymnastikräume, Schwimmbäder, Bolzplätze, Tennisanlagen, Reitvereine, Skateanlagen, Schützenhäuser und Stadien hat Ramona Klenk ganz genau unter die Lupe genommen. Dies war Teil ihres Praktikums, das sie im städtischen Fachbereich Sport und Gesundheit absolviert hat. Insgesamt standen 109 Begehungen an, den größten Anteil der Untersuchung machten dabei die 32 städtischen Sport- beziehungsweise Turnhallen aus.

Um sich in die Situation eines Rollstuhlfahrers hineinversetzen zu können, hat sich die Studierende der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg selbst in einen Rollstuhl gesetzt. In Zusammenarbeit mit Bürgermedaillenträgerin Brigitte Seiferheld und ihrem Ehemann Frieder Seiferheld von der Arbeitsgruppe „selbstbestimmt mobil“ erarbeitete Ramona Klenk einen Fragebogen explizit für Sportstätten, der die wichtigsten Kriterien für Barrierefreiheit erfasst. Selbstbestimmt mobil hat bereits in der Vergangenheit einen Stadtführer für Gehbehinderte erstellt, der unter www.ludwigsburg.de/stadtfuehrer-gehbehinderte zu finden ist.

„Die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchung: Es gibt viele positive Beispiele, also Sportstätten, bei denen behindertengerechte Zugangsmöglichkeiten, Parkplätze und Toiletten vorhanden sind“, schreibt die Stadt in ihrer Pressemitteilung. Es gebe aber auch noch Sportstätten – vor allem älteren Baudatums – die von vornherein als nicht rollstuhlgerecht einzuordnen sind, etwa wegen nicht zu überwindender Stufen am Eingang oder im Innenbereich.

„Viele Sportstätten sind barrierefrei. Bei anderen gibt es kleinere oder größere Schwellen. Das werden wir ändern“, so Erster Bürgermeister Konrad Seigfried in seinem Fazit zu diesem Projekt. „Manchmal reichen bereits kleine Maßnahmen, um Fortschritte zu erzielen, beispielsweise die Ausschilderung der Behindertenparkplätze oder die Umrüstung auf elektrische Türöffner.“

Bei welcher Sportanlage aus Sicht der Stadtverwaltung besonders großer Handlungsbedarf in Sachen Barrierefreiheit besteht, dazu wollte sich im Rathaus niemand äußern. „Eine Rangliste gibt es noch nicht“, so Pressesprecherin Meike Wätjen. Insgesamt wurden 109 Objekte besichtigt, in 30 davon gab es offensichtlichen Handlungsbedarf. Die Stadträte sollen am Dienstag, 25. September, im Ausschuss für Bildung, Sport und Soziales über diesen Zwischenstand informiert werden. „Danach werden die Ergebnisse priorisiert und für jedes Objekt eine Maßnahmenliste sowie die zeitliche Abfolge erstellt“, so die Sprecherin der Stadt. „Behinderte wollen nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen“, sagt Frieder Seiferheld. Er ist vorsichtig mit dem Prädikat „voll rollstuhlgerecht“.

Mit der ebenerdigen Erreichbarkeit der Sportstätten allein ist es nämlich noch nicht getan. An die rollstuhlgerechte Toilette sei häufig noch gedacht. Seiferheld nennt das Freibad Hoheneck als Beispiel. Als Rollstuhlfahrer dürfe man sich dort im Sanitäterraum umziehen. Optimal wäre es, wenn es in Sportstätten eine breite, höhenverstellbare Liege gäbe, damit Rollstuhlfahrer sich beispielsweise einfacher ihrer nassen Badesachen entledigen können. Im Freibad sei auch der Weg ins Becken und wieder hinaus nicht einfach. Das Ehepaar Seiferheld begrüßt die Arbeit, die von der Praktikantin geleistet wurde, sehr. „Die Arbeitsgruppe ‚selbstbestimmt mobil‘ ist leider eingeschlafen“, so Frieder Seiferheld. Seine Frau und er seien die letzten Aktiven Mitglieder der Projektgruppe. „Die Stadtpläne müssten überarbeitet werden. Der Datenbestand ist veraltet“, beklagt Frieder Seiferheld. Die Stadt hat bei der jüngsten Untersuchung und Erfassung auf Wheelmap gesetzt (siehe Text unten). Die Online-Karte zum Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte wurde vom bekannten Berliner Aktivisten Raul Krauthausen entwickelt. Jeder kann sich an der Erweiterung der Karte beteiligen. „Ein zukunftsträchtiges Modell“, finden auch die Seiferhelds.

Stephanie Bajorat
12. September 2018
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