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Hemmingen

Aus für letzten Schlachthof

Schlachthof in Hemmingen: Nun ein Bild aus vergangenen Tagen. Archivfoto: Alfred Drossel

Es sieht noch alles fast so aus wie früher, in der Konrad-Haller-Straße in Hemmingen, wo der letzte Schlachthof im Kreis steht, mit einer Kapazität von etwa 1000 Schweinen und 100 Rindern wöchentlich. Auch auf der Internetseite des Huber Fleischzentrums werben die Unternehmenschefs noch damit, dass man täglich Tiere schlachte, die auf kürzestem Weg angeliefert und zu Fleisch verarbeitet werden. Doch damit ist seit der vergangenen Woche Schluss.

Am Mittwoch wurden die letzten Schweine geschlachtet, und auch die Kunden informiert, dass man auf Ende November den Betrieb einstelle und in eine Firma in Aub bei Würzburg übergehe, mit etwa drei Mal so großer Kapazität. 20 der 30 Mitarbeiter haben befristete Verträge, die anderen wurden entlassen. Sehr kurzfristig sei die Schließung für die Kunden zwar schon gewesen, sagt Hartmut Huber, der mit seinem Bruder Edgar Gesellschafter des seit rund 50 Jahren bestehenden Familienunternehmens ist. „Aber mit einem längeren Vorlauf hätte die Information unsere Produktion gestört.“

Und die hatte ohnehin in letzter Zeit immer mehr zu kämpfen. Eine Summe im unteren siebenstelligen Bereich hätte man in den 1994 erbauten Schlachthof investieren müssen, in Ställe, Tierschutz und Kälteanlage. Zudem sei es immer schwieriger, Mitarbeiter zu bekommen. „Der Job ist ja wirklich nicht vergnügungssteuerpflichtig“, so Hartmut Huber. Man habe finanzielle Anreize bieten müssen, noch dazu, weil man fernab der Haupterzeugerregionen liege.

Kaum noch Kunden aus Region

Und genau die Lage sei auch einer der wichtigsten Gründe aufzugeben. Heutzutage werde eher dort geschlachtet, wo die Tiere auch aufwachsen, und das sei vor allem in Hohenlohe und im Fränkischen, schon in Richtung von Aub. Die Transportentfernungen für die Schlachttiere würden sich also teilweise gar nicht so gravierend ändern, sagt Huber. Denn die Bauern aus der Umgebung hätten nur einen kleinen Teil der Kunden ausgemacht, immer weniger hatten Tiere, wie es auch Hemmingens Bürgermeister Thomas Schäfer bemerkt. Die Schließung werde die Gemeinde zwar finanziell wenig zu spüren bekommen. Aber: „Es ist ein ideeller Verlust. Man merkt daran den Wandel eines früher agrarisch geprägten Ortes.“

Huber, für den „sicher eine Portion Wehmut dabei ist“, versucht, auch einen positiven Aspekt zu finden: „Für die Kunden habe ich jetzt mehr Zeit.“ Denn die, für deren Tiere man den Transport ins Fränkische anbiete, werde er eine Zeit lang weiter betreuen, als leitender Mitarbeiter des Betriebs in Aub. „Ich bin verantwortlich dafür, dass der Übergang sanft funktioniert.“

Doch ganz so sanft scheint das für die Kunden derzeit nicht zu sein. „Die Entrüstung ist nicht unerheblich“, sagt Ulrich Klostermann, Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das Fleischerhandwerk. Man höre schon aus vielen Betrieben, die verzweifelt nach Alternativen suchten. Und davon gebe es in der Region nicht viele, auch scheide meist eine früher öfters genutzte Möglichkeit aus, bei einem Metzger schlachten zu lassen. Hintergrund seien EU-Regelungen zur Zulassung. Erhöhe sich die Zahl der Schlachttiere, könnten Investitionen gefordert sein. „Das ist eine ganz vertrackte Situation.“ Klostermann fürchtet einen weiteren Konzentrationsprozess, und eine Abhängigkeit von den ganz großen Schlachtern, bei denen es um den Tierschutz nicht immer gut bestellt sei.

Betroffen von der Schließung ist auch Schweinezüchter Eberhard Seemann aus Ditzingen. Er hat zwar in Bretten eine Alternative, doch der Transportweg dorthin ist für ihn länger, die Kosten für Sprit und anteilig am Lkw kann er nicht an die Metzger weitergeben. Seemann glaubt nicht, dass allzu viele Metzger Hubers Angebot annehmen, in Aub zu schlachten. „Da weiß ja keiner, wo und was genau das ist. Die gehen lieber nach Bretten oder das andere Schlachthaus in der Region in Gärtringen.“

Hartmut Huber hat nach eigenen Angaben aber auch andere Reaktionen erfahren. In der Branche habe sich aufgrund der immer schwierigeren Rahmenbedingungen ein gewisser Frust aufgestaut. „Einige haben mir auch gratuliert. Und gesagt, sie würden sich auch gerne befreien.“

Julia Schweizer
04. Dezember 2017
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