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Kreis Ludwigsburg

Auf den Wiesen summt nichts mehr

Der Schwalbenschwanz legt seine Eier am liebsten an die Wilde Möhre. Blüht diese Pflanze nirgends mehr, kann die Schmetterlingsart nicht für Nachwuchs sorgen. Foto: Fotolia

„Es war noch nie so ernst“, sagt Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg, aus Benningen. Der Bestand von Insekten gehe immer weiter zurück. Bei allen Insektenarten sei inzwischen mindestens die Hälfte vom Aussterben bedroht, das Summen und Brummen auf den Wiesen werde immer leiser.

Auf einen Antrag der Grünen hin haben sich auch die Kreisräte im Ausschuss für Umwelt und Technik über das Insektensterben beraten. Dass etwas getan werden muss, sei nicht zu bestreiten – da waren sich alle Kreisräte einig. Einige sehen den Landkreis und die Kommunen in der Verantwortung. Doris Renninger betonte, dass der Kreis die Kommunen in dieser Sache unterstützen sollte. „Nicht jede Kommune hat einen Umweltmanager“, erinnert die Grünen-Politikerin aus Ditzingen.

„Kreis und Kommunen sollten zusammen bei der Bevölkerung für Maßnahmen werben“, sagte hingegen Joachim Wirth (SPD) aus Möglingen. Denn jeder könne etwas gegen das Insektensterben tun. Der Bevölkerung müsse auf die Sprünge geholfen werden, stimmt Bernd Hasenmaier (CDU) zu. Der Landkreis könnte bei Fragen zum insektenfreundlichen Garten helfen, so der Eberdinger.

Wie ein Haus ohne Kühlschrank

Das ist laut Hutter auch notwendig. Denn manche Menschen wüssten nicht, wie paradox ihr Verhalten ist: Auf der einen Seite mähen sie den Rasen ganz kurz, andererseits stellen sie ein Insektenhotel auf. „Wenn ich ein Haus baue, muss ich auch für einen Kühlschrank und einen Keller sorgen“, zieht Hutter einen Vergleich. Wenn die Menschen statt Steine und Einheitsrasen blühende Pflanzen in ihren Garten brächten, sei das ein erster Weg zur Verbesserung der Situation, sind sich Hutter und Frank Handel, Vorsitzender des Nabu Ludwigsburg, einig.

„Sehr viele kleine Flächen sind ein Gewinn für alle“, sagt auch Joachim Wirth den anderen Kreisräten. Dem stimmen nicht alle zu. Eberhard Zucker von den Freien Wählern weiß, dass auch die Landwirte Verantwortung tragen. „Kreis, Land und Bund müssen sich überlegen, wie man die Landwirte unterstützen kann, wenn sie Insekten schützen wollen“, sagt der Vaihinger Landwirt Zucker, der Vorsitzender des Bauernverbandes ist. Die Wirtschaftlichkeit sei für die Landwirte wichtig, schließlich müssten sie mit ihrem Hof eine Familie ernähren. Es sollte also einen Anreiz in Form von Förderungen geben.

Ohne Spritzen geht es nicht

Ganz auf Insektizide zu verzichten, sei kaum möglich, erklärt Zucker auf Nachfrage unserer Zeitung. Reiner Bioraps etwa funktioniere nicht. Wenn nicht mehr gespritzt werden dürfte, würde der Raps aus der Fruchtfolge ausscheiden. Die gelben Blüten sind aber eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen. „Natürlich achten wir auf die Insekten und spritzen außerhalb der Bienenflugzeiten“, betont Zucker. Allerdings müsse manchmal eben doch schnell gespritzt werden, vor allem wenn die Pflanze von Läusen befallen ist.

„Es ist niemand allein schuldig“, betont Kreisrat Bernd Hasenmaier. Das Problem des Insektensterbens sei ein vielschichtiges. „Es gibt immer mehr Steine in den Gärten, Obstwiesen werden zu Bauland und Landwirte bombardieren die Natur mit Chemie“, zählt Hutter drei Gründe auf, die er für den Rückgang des Insektenbestandes sieht. Folglich würden immer weniger Schmetterlinge gesichtet und die Wildbienen nicht mehr nachkommen, alle Pflanzen zu bestäuben.

Albrecht Fischer (CDU) beschreibt ein anderes Phänomen: Seiner Meinung nach bringe die Bebauung auch etwas Gutes. „Im Wohngebiet gibt es ein Blumenvorkommen, das auf einem Acker nie möglich wäre“, ist sich der Vaihinger sicher.

Carolin Schneider
08. Mai 2018
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