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schwieberdingen

Anwohner besorgt wegen Asbest-Abfällen

Albrecht Tschackert stellt die Pläne vor.

Die Kapazitäten der Erd- und Bauschuttdeponie „Am Froschgraben“ in Schwieberdingen sind nach Schätzungen der AVL in fünf Jahren erschöpft. Darum soll die Deponie wachsen: um durchschnittlich 15 Meter. Dafür sollen keine weiteren Flächen verbraucht werden. Über Hintergründe, Ziele und Visionen informierten AVL und Landratsamt im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung in Schwieberdingen.

Abbrüche, Neubauten und Sanierungen produzieren auch Abfälle. Bodenaushub und Bauschutt fallen Schätzungen zufolge auch weiterhin in großen Mengen an, die Deponie „Am Froschgraben“ ist jedoch bald abgefüllt. Der Landkreis Ludwigsburg ist verpflichtet, Entsorgungsflächen bereitzustellen. Seit 2010 laufen die Untersuchungen in Sachen Lärm, Staub und Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt. Nun sind alle nötigen Gutachten für die Planunterlagen beisammen, noch in diesem Monat stellen AVL und Landratsamt beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP) den offiziellen Antrag auf Erhöhung der Deponie. Das Planfeststellungsverfahren dauert voraussichtlich etwa zehn Monate.

Etwa 60 Interessierte, darunter Vertreter der Landwirtschaft sowie die Bürgermeister Gerd Spiegel (Schwieberdingen) und Rudolf Kürner (Markgröningen), waren ins Bürgerhaus gekommen. Die Gutachter Matthias Rau und Dr. Friederike Hübner erläuterten die Prognosen zur Staub-, Lärm- und Kleinklimaentwicklung sowie die Umweltverträglichkeitsuntersuchung. Fazit: Auch nach der Erhöhung um 15 Meter im Mittel und damit auf insgesamt 35 Meter würden alle Grenzwerte, zum Beispiel für Feinstaub, „sicher eingehalten“.

Wie sich während der Veranstaltung herauskristallisierte, fürchten sich die Schwieberdinger insbesondere vor Asbestzement-Abfällen und ärgern sich über Mülltransfers aus Italien. Und sie wollten am Freitag öffentlich genau darüber diskutieren und nicht zu Einzelgesprächen ins Foyer „eingeladen“ werden, so der zeitweise schärfere Tenor. „So macht man die Demokratie nieder“, schimpfte ein Redner.

Albrecht Tschackert, Leiter der Abteilung Deponie und Energietechnik, erläuterte hierzu einige Punkte: So bewege sich das Aufkommen etwa asbesthaltiger Abfälle in einer Größenordnung von fünf Prozent, was über die gesamte Laufzeit gerechnet weniger als das Aufkommen eines Betriebsjahres sei. Für die Entsorgung von Eternit-Platten gebe es überdies strenge Auflagen. „Es gibt kaum einen Abfall, der strenger kontrolliert wird“, betonte er und fügte an: „Es ist unser eigenes Anliegen, das sage ich jetzt in aller Deutlichkeit, dass der Deponiebetrieb sauber und ordentlich geführt wird.“

Die Bürger ließen nicht locker. So fragte eine Frau, ob es überhaupt eine gesetzliche Pflicht gebe, diesen Raum auch für Eternitplatten zur Verfügung zu stellen, was Tschackert „speziell für den Ausschnitt Eternit“ verneinte. Allerdings gewährleiste dieser Bereich die Möglichkeit, die Deponie wirtschaftlich zu betreiben, „die schwarze Null“ zu schreiben.

Sogenannte „Sondereffekte“ aus dem Projekt Stuttgart 21 sind in den Berechnungen der Kapazitäten übrigens noch nicht enthalten. „Rigoros ausräumen“ wollte Tschackert jedoch, dass die AVL sich für die Entsorgung des Stuttgart 21-Schutts beworben habe, wie ein Bürger erbost anmerkte, im Gegenteil, so Tschackert: „Wir haben die Zusage bekommen, dass wir höchstens 80 000 Tonnen bekommen, verteilt auf Burghof und Froschgraben.“

Eher am Rande interessierte die Zuhörer die spätere Rekultivierung der Deponie. Etwa 15 bis 20 Hektar im steileren östlichen Bereich sollen für Freizeitaktivitäten gestaltet werden, etwa mit einem Aussichtspunkt, Spazierwegen, einem „grünen Klassenzimmer“, einer Rodelbahn. Hierbei sollen die Bürger mitreden.

Silvia Haiduk
04. Februar 2013
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