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Ludwigsburg

Aktion: Teilhabe das ganze Jahr

Die Vesperkirche will Zugehörigkeit schaffen, ein Gefühl von Dabeisein. Damit sich Menschen das ganze Jahr über als Teil der Gesellschaft fühlen, hat sich der Kreisdiakonieverband eine Gutschein-Aktion ausgedacht, die diesen Samstag startet.Archivfoto: Holm Wolschendorf

„Drei Wochen Vesperkirche sind gut und schön, aber was kommt danach?“, fragen sich die Organisatoren der Aktion. Sie wollen Teilhabe das ganze Jahr über anstoßen. Am Samstag, zur Halbzeit des Basketballspiels der Riesen in der MHP-Arena, fällt deshalb der Startschuss für eine neue Aktion des Kreisdiakonieverbandes. „Drei Wochen Vesperkirche – 52 Wochen dazugehören“, ist das Projekt überschrieben. Dafür sollen Gutscheine eingesammelt und gezielt weiter gegeben werden. „Was für die meisten in der reichen Region Ludwigsburg so selbstverständlich ist, kann für viele unerschwinglich sein“, sagt Kreisgeschäftsführer Martin Strecker. Konzertbesuche zum Beispiel oder ein Zeitungsabonnement. Es gebe viele Möglichkeiten, zu unterstützen. „Wir sind offen für jeden Vorschlag“, so Albrecht. Die Stadt – Schirmherr der Aktion ist OB Werner Spec – beteiligt sich mit Gutscheinheften.

Angesprochen fühlen sollen sich Selbstständige, Unternehmen, Vereine, Privatpersonen, die etwas übers ganze Jahr verteilt spendieren wollen. Der Friseur mit Gratisterminen, der Bäcker mit einem Jahresabo an Sonntagsbrötchen, der Fußballclub, der auf den Jahresbeitrag verzichtet oder die Privatperson, die zwölf Kinokarten finanziert oder eine Familien-Saisonkarte fürs Freibad. Markus Fischer, der mit Sportmarketing sein Geld verdient, wird sich dieser Vesperkirchen-Aktion annehmen. Er könnte der Türöffner für Spiele der Ludwigsburger Basketballer oder der Bietigheimer Handballer sein. Die beiden Spitzenvereine sind Kooperationspartner der Initiative.

Strecker, Albrecht und Fischer wissen auch, dass damit viel Arbeit auf die Diakonie zukommt. Es sei ein Versuch, meinen sie und bitten um Gutscheine, die längerfristig und mehrfach übers Jahr eingesetzt werden können, oder um Geldspenden, mit denen Wünsche erfüllt werden. „Der Aufwand für uns muss machbar bleiben“, betont Strecker.

In der Vesperkirche vom 10. Februar bis 3. März wird es eine Pinnwand geben, auf der die Gutscheine angeboten werden. Wer sich für einen interessiert, füllt einen Zettel aus und bewirbt sich. Die Gutscheine sollen nicht mit der Gießkanne unters Volk gebracht werden, sondern die erreichen, die etwas damit anfangen können. Möglichst viele sollen sich einen Gutschein aussuchen können. In jedem Einzelfall wird geprüft, ob sie auch bedürftig sind. Nicht nur Langzeitarbeitslose müssen jeden Cent umdrehen, sagen die drei. Es sind auch Geringverdiener, Kranke, Senioren mit schmaler Rente, kinderreiche Familien oder Asylbewerber.

Ein Alleinstehender, der vom Arbeitslosengeld II lebt, bekommt zum Wohngeld 416 Euro für seinen Lebensunterhalt, erklärt Fischer. Davon soll er dann alles vom Anorak bis zur Zahnpasta bestreiten. Für Lebensmittel und nicht alkoholische Getränke gehen in einer Musterberechnung der Großteil drauf. Weniger als fünf Euro am Tag sind dafür vorgesehen. Für Freizeit, Unterhaltung und Kultur sieht das Budget 39,91 Euro monatlich vor. „Und dann sollen noch Rücklagen für Unvorhergesehenes gebildet werden. Zum Beispiel wenn die Waschmaschine kaputt geht“, kritisiert Fischer die unrealistische Berechnung. An sozialer Teilhabe im gesellschaftlichen Leben sei da nicht zu denken.

 

Info: Kontakt über Markus Fischer (markus- fischer2@gmx.de) oder über Martin Strecker (m.strecker@kreisdiakonieverband-lb.de) sowie über www.52wochen.jetzt.

Thomas Faulhaber
01. November 2018
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