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Beilstein

Ärger über andere Tarifzone

Seit 20 Jahren sei Beilstein freiwillig Mitglied im Verkehrsverbund Stuttgart und nun werde „die kleine Stadt im Norden des Verbundes“ vergessen, so Kämpf. Ähnlich sei es bereits beim Berg- und Talbus des Landkreises Ludwigsburg gewesen, der ebenfalls nicht in Beilstein hält. Diese Kirchturmpolitik kann Kämpf nicht verstehen. Statt im Bottwartal näher aneinanderzurücken, werde eine Kluft aufgetan zwischen der Langhansstadt und den anderen Kommunen an der Bottwar. Dabei würden die Verbindungen zwischen den Landkreisen Ludwigsburg und Heilbronn im „realen Leben“ eher enger: Schüler aus Abstatt gehen nach Großbottwar in die Schule, Pendler aus Ilsfeld fahren mit dem Auto zum Bus nach Beilstein, um dann auf die S-Bahn nach Marbach zu kommen. Nicht zuletzt wurde für die Bottwartalbahn nach Beilstein und deren Verlängerung nach Heilbronn von beiden Landkreisen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Den Regionalräten, die die neuen Tarifzonen absegneten, sollten die Verbindungen klar sein, aber auch dem VVS. „Wenn man die Grafik anschaut, sieht man sofort, dass Beilstein in die Zone fünf gehört. Der VVS muss an seine Mitglieder denken“, so Kämpf. Die Stadt Beilstein sei nie über die Zonenreform informiert, geschweige denn gefragt worden. „Ohne Fakten und Zeitplan kann man auch nicht reagieren und über Finanzierungen reden“, findet Kämpf.

Dabei begrüßt die CDU Beilstein grundsätzlich das neue Tarifmodell. Da aus sechs Zonen fünf wurden, werde es günstiger, nach Stuttgart oder in eine andere Gemeinde des Verbandes zu fahren. Durch den Preisanreiz sollen die Menschen verstärkt motiviert werden, auf Bus und Bahn umzusteigen.

Deshalb lautet auch die Forderung: „Noch ist es nicht zu spät für alle Akteure, sich an einen Tisch zu setzen, damit die Tarifreform nicht an Beilstein vorbeigeht“, schreibt Kämpf in der Pressemitteilung. Dabei sei ihm auch bewusst, dass Kosten für die Stadt entstehen, wenn sie sich am neuen System beteiligt. „Aber das wird es der Stadt und den Bürgern wert sein: aus ökologischen und ökonomischen Gründen.“

Oberste Prämisse bei der Planung des neuen VVS-Tarifs sei gewesen, dass kein Fahrgast schlechter gestellt werde als bisher, antwortet eine Sprecherin des VVS auf entsprechende Nachfrage der LKZ. Dieses Ziel hätten der VVS und seine Träger – vor allem die Verbundlandkreise Böblingen, Esslingen, Ludwigsburg und Rems-Murr – auch erreicht. Mehr noch: Ein Großteil der Fahrgäste profitiere vom neuen Tarif, weil sie künftig mindestens eine Zone weniger zahlen müssten als bisher. Das sei auch bei Beilstein der Fall. Ab 1. April 2019 gehöre Beilstein zur Ringzone 6. Fahrgäste aus Beilstein, die in die Stuttgarter Innenstadt fahren, brauchen dann künftig nur noch sechs statt sieben Zonen zu zahlen. Außerdem: 2019 werde es keine Tariferhöhung geben, betont die Sprecherin.

Im Übrigen liege Beilstein nicht im Kerngebiet des VVS, sondern im Landkreis Heilbronn. Der neue VVS-Tarif, der die öffentliche Hand rund 42 Millionen Euro kostet, werde von der Landeshauptstadt Stuttgart, den vier Verbundlandkreisen und – aus Gründen der Luftreinhaltung – vom Land Baden-Württemberg finanziert. „Der Landkreis Heilbronn trägt das System nicht mit“, erklärt die Sprecherin. Richtig sei, dass weder Beilstein aktiv auf den VVS zugegangen sei und auch nicht umgekehrt. „Wir sind auf keine der 180 Kommunen zugegangen“, sagt die Sprecherin. Hauptziel sei gewesen, den Zuschuss mit rund 42 Millionen Euro zu bekommen.

Patricia Rapp
08. August 2018
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