Dienstag, 23.10.2018, 22:42 Uhr
keine Daten 13 °C
Ludwigsburg

34 Jahre alt und von der Zeit überholt

Breite Autostraßen mitten durchs Grün, überdimensionierte Flächen für Schulen, Verkehrsflächen und Wohnungsbau in teils sensiblen Bereichen, Grün, wo eigentlich Gewerbe ist – vieles stimmt nicht mehr in dem alten Plan. Er stammt aus dem Jahr 1984 und ist seitdem mehrfach ergänzt worden. Trotzdem passt nichts mehr recht zusammen.

Die SPD fordert nun, wie die Lubu-Vertreterin im Gemeinderat seit Jahren, den Flächennutzungsplan zu überarbeiten. „Unser Grundgedanke ist, ein Konzept für die nächsten 20 Jahre für Ludwigsburg zu entwickeln“, so die SPD-Stadträte Daniel O’Sullivan und Margit Liepins im Gespräch mit unserer Zeitung. Und das zusammen mit den Bürgern (siehe Text auf der folgenden Seite). Aus Sicht der SPD gibt es viele Punkte, bei denen nachgesteuert werden muss. Sie nennen den Wohnungsbau, aber auch die weitere Entwicklung des Nahverkehrs.

Bei den Stadtplanern im Rathaus rennen sie damit offene Türen ein. Die Aktualisierung sei zwar kein Muss, es sei allerdings dringend notwendig, weil der Plan nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügt. In der Vergangenheit mussten bei Bauvorhaben – ob für Wohnungen, Gewerbe oder Verkehr – zahlreiche Änderungen an dem Plan vorgenommen werden. Etwa 50 Änderungen gab es. Insofern hat der alte Flächennutzungsplan seine Funktion als Steuerungsinstrument verloren. Nötig sei eine „räumliche Gesamtschau“, die neuere Entwicklungen berücksichtigt, so Martin Kurt, Leiter des Fachbereichs Stadtplanung, der zusammen mit Stadtplaner Albrecht Burkhardt der LKZ gegenüber die Situation erläutert.

Dass das ein langwieriger Prozess ist, steht fest. Es können sich auch Fronten auftun, wie das beispielsweise in Esslingen geschehen ist. Nach einem jahrelangen Austarieren der Interessen ist ein neuer Flächennutzungsplan erstellt worden, ein Aktionsbündnis von Gegnern geht dagegen vor. Insbesondere Landwirten gefällt es nicht, sie demonstrieren mit Traktoren dagegen.

Geht es um den Wohnungsbau, setzt Ludwigsburg auf die Innenentwicklung. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele, von privat wie auch von öffentlicher Hand. So entsteht ein neues Viertel auf dem Baywa-Areal, gebaut wird in Grünbühl-Sonnenberg, in den Muldenäckern und bei den Kapff’schen Höfen in der Innenstadt. Wohnraum entsteht auch bei der Jägerhofkaserne, das größte neue Baugebiet im Innenbereich ist der Fuchshof, für den derzeit Art und Umfang der Bebauung festgelegt werden.

1800 Wohneinheiten könnte man in den nächsten vier Jahren auf diese Weise erstellen. Auch gibt es zahlreiche Baulücken. Allein in Poppenweiler sind 70 brachliegende Baulücken bekannt, wo 150 Wohnungen entstehen könnten.

Dennoch: Man will auch in die Außenbereiche gehen, wogegen in Esslingen die Landwirte auf die Barrikaden gingen. Angesichts der kleinen Gemarkung von Ludwigsburg ist es nicht einfach, weiteres Bauland zu erschließen. Einige Flächen hat sich die Stadt inzwischen mit Vorkaufsrecht gesichert. Dazu zählen Flächen im Bereich Auf der Schanz, in Poppenweiler und bei Grünbühl.

Die Stadtplaner hätten gern „einfache Flächen“, wie sie es formulieren, die für den Wohnungsbau ausgewiesen werden könnten. „Doch die gibt es nicht mehr“, so Burkhardt. Wie weit man in den Außenbereich geht, sei letztlich eine Frage der Politik. Dort müssten die Entscheidungen getroffen werden. Kurt: „Der Flächennutzungsplan zwingt zur Klarheit.“

Bei der Neuauflage des Flächennutzungsplans geht es aber nicht nur um den Wohnungsbau. Der alte Plan spiegelt nicht die aktuellen Erfordernisse im Bereich Nahverkehr und Klimaschutz wider. So müssen auch die möglichen Trassen für BRT-Busse und Stadtbahn aufgenommen werden, es sollen das Energiekonzept, die Grün- und Klimakonzepte wie auch der Schulentwicklungsplan berücksichtigt werden. Ziel ist dabei, Ludwigsburg als „lebenswerte Stadt“ zu sichern, so Burkhardt.

Noch in diesem Jahr will die Stadtverwaltung das Thema angehen. Der jetzige Gemeinderat könnte den Anstoß dazu geben. Nach den Wahlen im kommenden Jahr wäre es dann sinnvoll, so Stadtplanungschef Kurt, den Flächennutzungsplan mit dem neuen Gemeinderat aufzuarbeiten. Denn die Sache braucht Zeit, auch sollen die Bürger in Workshops einbezogen werden. Drei Jahre werden für den Prozess angesetzt.

Hans-Peter Jans
05. Oktober 2018
Impressum | Datenschutz