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Ludwigsburg

200 Euro und eine Bonuskarte

Über 10 000 Studenten, aber nur wenige melden sich in Ludwigsburg an.Archivfoto: dpa

Die Marke von 10 000 Studenten hat Ludwigsburg unlängst geknackt. Zum Wintersemester 2017/2018 waren insgesamt 10 568 von ihnen hier eingeschrieben. Vor allem die drei „großen“ Hochschulen (Pädagogische Hochschule, Verwaltungshochschule und Evangelische Hochschule) haben in den vergangenen Jahren stetig ihr Studienangebot ausgebaut und weitere Studenten in die Stadt geholt.

Auch wenn sich Ludwigsburg dadurch immer mehr zum Hochschulstandort entwickelt, auf die Einwohnerzahl hat das bisher nur eine geringe Auswirkung. Das hat zwei Ursachen. Zum einen haben die drei großen Hochschulen – im Gegensatz zur Film- und zur Theaterakademie – ein regional eher begrenztes Einzugsgebiet. Viele Studenten stammen aus dem Umland und bleiben für die Zeit ihres Studiums zu Hause wohnen.

Zum anderen melden sich von den Studenten, die nach Ludwigsburg ziehen, nur wenige in der Stadt an – in den vergangenen Jahren war es maximal ein Drittel.

Sehr zum Ärger der Stadt. Denn für jeden in Ludwigsburg angemeldeten Studenten gibt es, wie für jeden anderen Bewohner, eine Landeszuweisung von 1300 Euro im Jahr. Daher startet die Stadtverwaltung jetzt einen neuen Versuch, mehr Studenten dazu zu bewegen, sich hier anzumelden.

„Wir haben ein neues Konzept aufgestellt und den Handel und die Hochschulen dabei miteinbezogen“, erklärte Jürgen Schindler, der Leiter der Bürgerdienste, in der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses. „Studierende Willkommen“ – so der Name des Konzepts – basiert auf drei Elementen: einem mobilen Bürgerbüro, einer sogenannten StuwiCard und konkreten Anreizen für die Wohnsitzanmeldung.

Mit dem mobilen Bürgerbüro möchte die Stadtverwaltung gleich zum Semesterbeginn bei den neuen Studenten die Werbetrommel rühren. „Den Studierenden wird damit die Möglichkeit geboten, sich über Ludwigsburg zu informieren und direkt anzumelden“, so die Verwaltung in einer schriftlichen Vorlage für den Ausschuss. Die Neuankömmlinge sollen dabei außerdem mit einem Imagefilm in Ludwigsburg begrüßt werden. Erste Erfahrungen mit dem mobilen Bürgerbüro hat die Verwaltung Anfang April bei den Hochschultagen an der Evangelischen Hochschule und an der Pädagogischen Hochschule (PH) gesammelt. „Da haben sich spontan zehn Studierende angemeldet“, freut sich Schindler.

Den zweiten Baustein bildet die „Studierende Willkommen Card“ kurz StuwiCard. Die sollen ab dem Wintersemester 2018/2019 alle immatrikulierten Studenten erhalten. Mit der Immatrikulationsnummer und einer persönlichen Kennung kann die Karte im Internet freigeschaltet werden. Nach Vorstellung der Verwaltung sollen die Studenten damit die Möglichkeit bekommen, an Bonusaktionen von Ludwigsburger Händlern oder Vereinen teilzunehmen.

Auch die Händler hätten davon einen Vorteil, so Schindler. Sie können sich mit Angebotsaktionen direkt an die Studenten wenden.

Als drittes Element sollen Studenten, die in Ludwigsburg ihren Erstwohnsitz anmelden, 200 Euro gutgeschrieben bekommen. Die können sie mit ihrer StuwiCard in den beteiligten Ludwigsburger Geschäften einlösen. Die Händler benötigen dafür ein Smartphone und eine Identifizierungs-App zum Erkennen der Karte. Außerdem nehmen alle Studenten, die sich hier anmelden, an einer Verlosung teil und erhalten zudem noch einen Gutschein für die Nutzung eines städtischen Elektroautos.

Die Kosten: Wenn sich 3000 Studenten pro Jahr immatrikulieren und 500 davon in Ludwigsburg anmelden, entstehen der Stadt 100 000 Euro an Kosten für die Bonusguthaben, rechnete Schindler vor. Zählt man dazu noch die laufenden Kosten – etwa für die Infrastruktur der StuwiCard – bleiben der Stadt nach Rechnung der Verwaltung aber immer noch 425 000 Euro übrig, weil sie für jeden angemeldeten Studenten ja 1300 Euro im Jahr vom Land erhält.

Eine Rechnung, die die Stadträte im Sozialausschuss überzeugte. Einstimmig wurde das Konzept befürwortet. Die Verwaltung soll sich jetzt mit Händlern und Hochschulen zusammensetzen, um das Programm weiterzuentwickeln.

Trotzdem gab es von den Stadträten noch einige Hinweise. Claus-Dieter Meyer findet das Konzept „ein bisschen unübersichtlich“. Außerdem wollte er wissen, ob der Datenschutz berücksichtig wird – laut Jürgen Schindler wird er das. Andreas Kasdorf (Grüne) bemängelte, dass sich auf dem Wohnungsmarkt für Studenten viel zu wenig tue. Und, wo es keine Wohnungen gibt, könne sich auch niemand anmelden.

„Einen Versuch ist es wert“, so die Meinung von Hubertus von Stackelberg von den Sozialdemokraten. Hermann Dengel (Freie Wähler) findet, dass sich im Vergleich zum Vorgängerkonzept einiges verbessert hat. Und Johann Heer von der FDP sieht darin ein geeignetes Mittel für eine Stadt „auf dem Weg zu 100 000 Bewohnern.“

2012 hatte die Stadt zum ersten Mal eine Erstwohnsitzkampagne mit dem Namen „Heimvorteil“ gestartet. Kern dabei war eine Rabattkarte für Studenten, die hier ihren Erstwohnsitz anmelden. Am Ende nutzten allerdings nur etwa 13 Prozent der Studenten dieses Angebot. Und das bei Kosten von 55 000 Euro jährlich, die vor allem eine externe Agentur kassierte. Zusätzliche Einnahmen wurden damit praktisch keine erzielt. Im vergangenen Jahr wurde „Heimvorteil“ schließlich eingestellt.

Christian Walf
13. Mai 2018
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