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Ludwigsburg

„Vorleben, was man selber predigt“

Diskutierten über betriebliches Gesundheitsmanagement (von links): Verlagsleiter Christian Maron, Ernährungsexperte Sven Bach, Arbeitspsychologe Stephan Kortmann, Personalreferentin Silke Weller und Barmer-Hauptgeschäftsführer Frank Krumphaar. Foto: Oliver Bürkle

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) – ein sperriger Begriff, der aber immer bedeutender wird. Darin waren sich die Experten beim ersten Ludwigsburger Gesundheitsdialog für Unternehmen bei der Ludwigsburger Kreiszeitung einig. Fitte Mitarbeiter seien produktiver, zufriedener und würden seltener fehlen.

Launig, unterhaltsam und bestens präpariert moderierte der Verlagsleiter von Ungeheuer und Ulmer, Christian Maron die Gesprächsrunde. Mit dabei waren Silke Weller, Personalreferentin bei Lila Logistik aus Besigheim, der Arbeitspsychologe Stephan Kortmann vom oberfränkischen Beratungsunternehmen Sanosense, Frank Krumphaar, der Hauptgeschäftsführer der Barmer Karlsruhe, und der Ernährungsexperte Sven Bach – geballte und schlagfertige Kompetenz bei der Diskussionsrunde.

Frage der Unternehmenskultur

„Gesundheit ist ein Menschenrecht“, leitete Maron das Gespräch ein. Wichtiger als sie wiederherzustellen sei deren Erhaltung durch Prävention, sowohl in körperlicher, geistiger und sozialer Hinsicht – so gab er das Wort zur Begrüßung weiter an Arndt Kühnle, dem Regionalgeschäftsführer der Barmer Ludwigsburg.

„BGM ist heute eine Frage der Unternehmenskultur“, sagte Kortmann. Keiner könne sich ihr länger entziehen (siehe Bericht unten). Bewusstes Leben müsse sich in den Köpfen verankern. Weller ist davon überzeugt, dass präventive Maßnahmen tatsächlich nur wirken, wenn diese aus der Firmensspitze mitgetragen werden. „Man muss vorleben, was man selber predigt.“ Die Führungsriege müsse selber sportlich aktiv sein und nicht um 23 Uhr oder am Wochenende geschäftliche E-Mails an Mitarbeiter verschicken. Gesundheitsvorsorge hänge letztlich auch an der Glaubwürdigkeit des Chefs. Bei Lila Logistik seien Gesundheitsprogramme Teil der Arbeitszeit, statt Pudding würden Äpfel verteilt. Und zu Weihnachten gab’s die „Blackroll“ für alle, natürlich in Lilaoptik, Anleitungskurse inklusive. „Gesundheit ist ein Schlüsselfaktor für den Unternehmenserfolg“, erklärte Krumphaar. Nachhaltige und individuelle Konzepte müssten implementiert werden, um am Markt bestehen zu können. Durchschnittlich würden Angestellte zwischen 16 und 19 Tagen im Jahr krankheitsbedingt fehlen. Jeder Tag koste einen Unternehmer um die 500 Euro. Volkswirtschaftlich betrachtet kosteten die Fehltage rund 133 Milliarden Euro. Gesundheitsvorsorge dagegen sei vergleichsweise für ein Minimum zu haben. Dabei sei die höhere Produktivität noch nicht mit eingerechnet. Schließlich müsse die Arbeitskraft bis zum Eintritt in die Rente sichergestellt werden. „Einen Vorruhestand können sich heute bei Niedrigzins und Immobilienhöchstpreisen nur noch die wenigsten leisten.“

Eine gute und hochwertige Küche sei mittlerweile – neben Kinderbetreuung und günstigen Bauplätzen – ausschlaggebend, Ingenieure mit ihren Familien auch in ländliche Gebiete zu locken. „Abwechslungsreiches Restaurant statt Kantineneinerlei ist ein Standortfaktor“, so der Ernährungsexperte Sven Bach. Beim modischen Superfood aus dem Internet mit Chinoa, Smoothies und Co. kann er nur den Kopf schütteln. „Wir leben doch in einer gesegneten Region, die uns zu jeder Jahreszeit liefert, was unser Körper braucht.“ Privat oder beruflich dürfe bei der Ernährungsumstellung kein Druck ausgeübt werden, weil sonst eine Blockadehaltung ausgelöst werde. Wer erst einmal auf eine von drei Flaschen Cola am Tag oder auf ein Fleischkäsbrötchen verzichte, sei schon auf einem gutem Weg (ausführlicher Bericht folgt).

Zentral könne man nichts überstülpen. In individuellen, vorbereiteten Gesprächen müssten konkrete Tipps gegeben und auf die persönlichen körperlichen Bedürfnisse und Befindlichkeiten eingegangen werden. Das koste Zeit und Geld, spare letztlich aber wieder Geld, so Bach.

Thomas Faulhaber
12. April 2018
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