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Ludwigsburg

„Kaffee trinkt man nicht im Internet“

Die Seestraße ist ein Beispiel für diesen Wandel. Dort wurden in den vergangenen anderthalb Jahren gleich mehrere Einzelhandelsflächen zu Gastronomie umgenutzt. Wo früher Bekleidung verkauft wurde, findet man heute beispielsweise eine Vinothek mit Weinen aus aller Welt oder ein internationales Café.

 

Geschäfte

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Neuestes Beispiel für die Umwandlung von Einzelhandels- in Gastronomieflächen ist das Sushi-Restaurant in der Seestraße 10. Hier war zuvor ein Bekleidungsgeschäft ansässig. „Wir waren auf der Suche nach einem Konzept, das eine Bereicherung darstellt“, sagt Vermieter und Modeunternehmer Thomas Gieck. Gefunden hat er es in Tobiko Sushi Fusion, einem Sushi-Lokal mit langer Theke und Köchen, die bei Feinkost Böhm in Stuttgart gelernt haben. „Wertigkeit“ und „Qualität“, so sagt Gieck, seien ihm wichtig gewesen bei der Auswahl des neuen Mieters.

Ein neues Café entsteht derzeit auch in der Eberhardstraße. In der Nummer 16 sind Kirstin Sengenberger und ihr Partner kräftig am Umbauen, denn Mitte Juni soll eröffnet werden. Bønne haben sie ihr Café genannt, das ist dänisch und bedeutet Bohne. Der Name steht gleichsam Pate fürs Konzept: „Wir wollen einen Ort schaffen, wo man gemütlich etwas trinken gehen kann, und das in skandinavischem Ambiente.“ Das sei neu in Ludwigsburg, sagt die gelernte Hotelfachfrau, denn das müsse schon sein, um sich abzuheben. „Es gibt viel Gastronomie in Ludwigsburg.“

„Eine bespielte Innenstadt mit Gastronomie ist mir lieber als leer stehende Flächen“, sagt Luis-Innenstadtbeauftragter Axel Müller. „Wir befinden uns in einem Umbruch“, so seine Einschätzung. Der Online-Handel werde seinen Worten nach noch weiter zunehmen, „aber den Kaffee trinkt man nicht im Internet. Dazu braucht man das Café vor Ort“. Allerdings müsse die Infrastruktur drum herum stimmen. Der Innenstadtbesucher müsse auch jenseits der Gastronomie noch Anreize finden können.

Derzeit sind laut den Worten Müllers rund 65 Prozent der Ludwigsburger Innenstadtflächen vom Handel belegt, etwa 35 Prozent von Gastronomie. „Das ist eine Balance, die für unsere Stadt passt.“ In Amsterdam ist das Verhältnis ein völlig anderes, weiß Carsten Gieck, Vorsitzender des Ludwigsburger Innenstadtvereins Luis: „Da werden rund 70 Prozent der Flächen gastronomisch genutzt, und die Stadt funktioniert trotzdem.“

Nun ist Ludwigsburg nicht Amsterdam, und 70 Prozent Gastronomie-Fläche wäre für die Barockstadt vielleicht doch etwas zu viel. Aber die Cafés und Restaurants schaffen etwas, das so unüberwindbar scheint wie Abwehrmauer des FC Bayern München: die Überquerung der Schlossstraße (B 27). „Mit der Gastronomie haben wir die Chance, die Besucher vom Schloss in die Innenstadt zu holen“, sagt Axel Müller.

Julia Essich-Föll
16. Mai 2017
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