Donnerstag, 27.07.2017, 4:40 Uhr
keine Daten 22 °C
Ludwigsburg

„Ein unglaubliches Engagement“

Hockeybegeisterte unter sich (v.l.): Architekt André Lang, Prof. Hans-Peter Schmitt, Berater von Wolfgang Reisser, und Matthias Wissmann. Foto: Holm Wolschendorf

Zahlreiche Hände haben Wolfgang Reisser und seine Frau Heike Benecke am Freitagabend bei der Einweihung des Sportzentrums Ost geschüttelt. Neun Jahre sind vergangen, seitdem Wolfgang Reisser die nach ihm benannte Stiftung gegründet hat. Diese hat das Sportzentrum an der Fuchshofstraße errichtet, das jetzt als Domizil des Hockeyclubs (HCL) dient.

Zu den Rednern bei der Einweihungsfeier, die vom Direktor des Blühenden Barock, Volker Kugel, moderiert wurde, gehörte auch Matthias Wissmann: Der Verbandspräsident der Deutschen Automobilindustrie und vormals Bundesminister hat bis zu seinem 24. Lebensjahr beim HCL Hockey gespielt und gehörte der Bundesligamannschaft an. „Wenn ich sehe, was hier entstanden ist, freue ich mich unglaublich. Was Du durch Dein persönliches Engagement, Deine Großzügigkeit und Beharrlichkeit bei der Umsetzung Deiner Vision gezeigt hast, ist einzigartig“, zollte er dem Stifter und seinem ehemaligen Teamkollegen Bewunderung.

Sponsorentum sei das eine, Mäzenatentum das andere. „Da geht es nicht um Gewinn- und Verlustrechnung, sondern darum, etwas Bleibendes zu schaffen“, so der Festredner, der dieses Projekt als Beispiel für generationenübergreifenden Zusammenhalt sieht. Sein Manuskript legte er schnell zur Seite und plauderte lieber aus dem Nähkästchen. Noch gut könne er sich daran erinnern, dass zu seiner Jugendzeit auf einem Ascheplatz trainiert wurde. Noch heute träume er ab und an, zu spät zum Hockeytraining zu erscheinen. Er sei überzeugt davon, dass die Grundhaltung, den dieser Teamsport vermittele, einen Menschen auch durch Höhen und Tiefen eines Lebens tragen könne.

Wolfgang Reisser, Bauunternehmer und Hockeyspieler, sprach von einem „langersehnten Tag“. Geboren wurde die Idee zum Bau des Sportzentrums bei einem Urlaub am Comer See vor rund 14 Jahren. Ein Jugend- und Hockeyfreund habe ihm den Rat gegeben, die Idee zum Bau eines Sportzentrums zeitnah und nicht etwa in Form einer testamentarischen Verfügung umzusetzen, sagte Reisser. Im Jahr 2006 wurde die Stiftung gegründet.

Oberbürgermeister Werner Spec habe ihn stets bestärkt und unterstützt. Der Gemeinderat gab schließlich mit 39 von 41 Stimmen grünes Licht, 2014 wurde der Bau begonnen. Reisser sprach von dem hohen Standard des Gebäudes, auch im energetischen Bereich, der zu einer Verdopplung der geplanten Baukosten geführt habe. Das Sportzentrum Ost soll einen Impuls für die Neugestaltung der umliegenden Sportanlagen bieten.

Das Gebäude mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern bietet viele Möglichkeiten. Anziehungspunkt ist die Kletterhalle, die erste in Ludwigsburg. In dem Gebäude befinden sich auch ein Hostel für Gastsportler, die Geschäftsstelle des Deutschen Alpenvereins, ein Fitness- sowie ein Yogastudio, drei Wohnungen, Geschäfts- und Gruppenräume des HCL sowie eine Sporthalle und Kraftraum, die optimale Trainingsmöglichkeiten bieten. Ein Kaminzimmer mit Blick in die Ferne ist eines der Highlights.

Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried sprach von einer „großartigen Idee und einem unglaublichen Engagement“. „Hier ist etwas Fantastisches entstanden“, sagte er, erinnerte aber auch daran, dass einige Hürden zu bewältigen gewesen waren. Ein privates Grundstück musste erworben und bei den Stadträten Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Sportförderrichtlinien sehen nicht die Förderung einer Stiftung vor. Letztendlich hat sich die die Stadt mit 790 000 Euro an den Gesamtkosten beteiligt – von rund zehn Millionen Euro war am Freitag die Rede. Entstanden sei nicht nur ein neues Sportzentrum für den Hockeyclub, sondern für den gesamten Sport, sagte Seigfried mit Blick auf die Kletterhalle. Er würde sich wünschen, dass Stifter wie Wolfgang Reisser Nachahmer finden.

„Ich freu‘ mich wie Bolle“, sagte auch Hans-Joachim Schröter, Präsident des HCL. Er sprach davon, dass mit dem Sportzentrum eine neue Zeitrechnung begonnen habe. Wolfgang Reisser habe großen Anteil an der erfolgreichen Jugendarbeit: Aktuell trainieren 360 Kinder in 24 Mannschaften, die von 35 Trainern betreut werden. Der HCL hat rund 650 Mitglieder.

Beeindruckt von dem Neubau zeigte sich auch Wolfgang Hillmann, Präsident des Deutschen Hockeyverbands, der die Nachwuchsarbeit als wichtigen Baustein würdigte. „Die Erfolge bei den Olympischen Spielen haben gezeigt, dass eine kleine Randsportart in der Lage ist, in der Sportwelt mitzumischen“, betonte Stephan Abel, Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sprtbundes. Bei der Einweihung eines Sportzentrums dürfen Sport und Spaß nicht fehlen: Dass sie den Umgang mit dem Schläger gut beherrschen, stellten Wolfgang Reisser, Matthias Wissman und Wolfgang Hillmann beim Penaltyschießen unter Beweis.

von marion blum
14. Mai 2017
Impressum | Datenschutz