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„Man muss gut essen und schlafen“

Kommt ins Grübeln: Steelers-Trainer Kevin Gaudet hat mit seinem Team in den beiden ersten Spielen noch nicht das Mittel gefunden, um die Löwen Frankfurt in der Play-off-Finalserie der DEL 2 zu bändigen.Foto: Baumann

Für die Steelers gilt es, die bislang bärenstarken Hessen aufs Kreuz zu legen, sonst könnte der Traum von der vierten Meisterschaft bereits am Freitag nach Spiel vier in Frankfurt beendet sein. Bietigheims Trainer Kevin Gaudet taxiert im Interview mit unserer Zeitung die Chancen und erzählt, wie mit dem engen Terminplan umgegangen wird.

„Unser Problem ist, dass wir es bisher nicht geschafft haben, das Momentum auf unsere Seite zu ziehen. Mit dem Kampfgeist der Jungs bin ich zufrieden – sie haben sich nie aufgegeben“, merkte Gaudet nach der 0:4-Niederlage am Ostermontag in Frankfurt an.

Frankfurt überzeugt mit Tempo und starkem Umschaltspiel. Sind die Löwen die schnellste Mannschaft der Liga?

Kevin Gaudet: Frankfurt ist das schnellste Team mit Talent. Unser Halbfinalgegner Kaufbeuren ist auch schnell, aber sie haben nicht die Qualität bei den Torhütern und im Passspiel wie Frankfurt. Frankfurt hat eigentlich alles, fünf ihrer Spieler werden in der nächsten Saison in die DEL gehen.

Also wohl die beste Mannschaft der DEL 2. Aber trotzdem habt ihr immer noch ein Wörtchen mitzureden bei der Titelvergabe?

Ja natürlich. Deshalb ist es so schade, dass wir nicht alle unsere besten Spieler zur Verfügung haben. Frederik Cabana ist meiner Meinung nach der beste Play-off-Spieler der Liga. Es gibt keinen Ersatz. Justin Kelly ist angeschlagen, David Wrigley hat sich im ersten Finalspiel verletzt. Es wird schwer.

Was macht man als Trainer nach so einem ersten Drittel wie beim Auftakt der Endspielserie, als die Steelers 0:3 zurücklagen? Geht man in die Kabine und lässt die Spieler in Ruhe?

Nein, das passiert ja nicht oft bei uns. Ich kann mich nicht an das letzte Mal erinnern, wo wir 0:3 hinten waren. Ist es richtig, laut zu werden? Ich habe versucht cool zu bleiben, weil das war ja nicht normal. Unsere Fehler, diese Gehirnfürze, haben wirklich weh getan.

Was spricht man denn dann noch an?

Ich war ein bisschen enttäuscht über die Strafen, die man hätte verhindern müssen. Das machen wir sonst so nicht. Gegen ein Topteam geht das eben nicht.

Wenn man mal von einer langen Serie mit maximal sieben Spielen ausgeht, dann hätte man alle zwei Tage ein Match. Was macht man da zwischen den Spielen. Regeneriert man, macht man leichtes Training?

Man macht sehr leichtes Training. Und man muss gut essen und gut schlafen. Darauf kommt es an. Es gibt nichts anderes. Wir sind fit. Meine Frau Robin Niderost macht als Fitnesstrainerin einen hervorragenden Job außerhalb der Eisfläche. Wenn es denn sieben Spiele sein müssen, wird es sicher ein Spaß (lacht). Das macht keine andere Sportart. Eishockeyspieler sind verrückt.

Die Mannschaft ist eingespielt, bereits über einen längeren Zeitraum zusammen und kennt Ihr System. Muss man da in den Play-offs eigentlich noch etwas verändern?

Es kommt immer etwas dazu, adjustements sagen wir in englisch. Also Anpassungen, kleinere Korrekturen, die nötig sind. Denn die andere Mannschaft schläft ja nicht.

Sie sind mit den Steelers jetzt zum fünften Mal in Folge im Finale, zweimal Meister und zweimal Pokalsieger geworden. Was treibt Sie persönlich immer noch an?

Das ist vielleicht auch das Problem mit meiner Mannschaft. Denn das ist jetzt fast das gleiche Team im dritten Jahr nacheinander. Und man kann nicht aufsteigen. Frankfurt ist hoch motiviert, weil es für sie das erste Mal ist im Finale. Vergangene Saison traf das auf Kassel zu und sie waren unheimlich heiß. Man braucht diese Extra-Motivation, diesen Bonus. Es wird also schwer für uns.

Der sportliche Aufstieg ist derzeit noch nicht möglich, ein eventueller Seiteneinstieg schon. Voraussetzung dafür wäre die Meisterschaft, um diese Option zu wahren.

Wir haben es zweimal versucht, in die DEL zu kommen. Einmal ist uns Schwenningen zuvor gekommen, weil sie mehr Geld für die Lizenz gegeben haben. Und zuletzt hat Bremerhaven zuvor die Bürgschaft für die Lizenzierungs-Prüfung gestellt und die Chance genutzt. Wenn wir die Finalserie verlieren und es gäbe wieder diese Chance und wir könnten sie dann nicht nutzen – wenn das der Fall wäre, wäre das unglaublich bitter.

fragen von karl-heinz ullrich
18. April 2017
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