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Ludwigsburg

Zölibat: Katholiken begehren auf

Die Kirchengemeinderäte (von links) Eberhard Keicher, Gabriele Schwenk-Ebbinghausen, Martin Schockenhoff und Wolfgang Bohusch. Foto: Janina Rodeit

Am kommenden Samstag, 22. April, zwischen 10 Uhr und 13 Uhr werden vor der katholischen Kirche am Marktplatz Unterschriften gesammelt, um dieser Forderung nach den „Viri Probati“, den bewährten Männern, Nachdruck zu verleihen.

„Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist“, sagt Martin Schockenhoff, zweiter Vorsitzender des Neckarweihinger Kirchengemeinderates. Denn es steht viel auf dem Spiel: Ohne Priester nämlich kein Gottesdienst mehr mit Eucharistie.

„Das würde die katholische Gemeinschaft in ihren Grundfesten erschüttern“, warnt Erhard Keicher von St. Paulus. Das Gedächtnis und die Erinnerung an das letzte Abendmahl müsse unbedingt bewahrt bleiben.

Das Katholische Dekanat Ludwigsburg besteht aktuell aus 45 Kirchengemeinden, in denen 116 000 Katholiken leben. Diese Gemeinden sind in 13 Seelsorgeeinheiten zusammengefasst, in denen 31 Priester tätig sind. Das bedeutet: Auf 3742 Katholiken kommt ein Pfarrer. Damit steht Ludwigsburg vergleichsweise schlechter da als der Durchschnitt.

In der Diözese Rottenburg-Stuttgart gab es 2015 rund 550 Priester und damit einen für 3365 Katholiken. Setzt sich der Trend so fort, müsste sich in zehn Jahren hochgerechnet ein Pfarrer auf fünf Gemeinden verteilen. Vorausgesetzt, sie arbeiten bis weit über das Rentenalter hinaus.

„Die Situation verschärft sich zusehends“, mahnt Dr. Gabriele Schwenk-Ebbighausen, zweite Vorsitzende der Ludwigsburger Gesamtkirchengemeinde. Derzeit gebe es in Ludwigsburg nur noch einen hauptamtlichen Pfarrer, einen in Ausbildung und zwei Vikare. Eigentlich stünden der Stadt drei echte Pfarrstellen zu. „Noch vor 20 Jahren hatte sogar jeder der sechs Ortsteile seinen eigenen Priester.“

In der Gesamtschau: Vor neun Jahren gab es in Rottenburg-Stuttgart noch 720 Priester. Das ist im Vergleich zu heute ein Rückgang von knapp einem Viertel. Und: Im letzten Jahr wurde für die komplette Diözese nur ein einziger Theologe geweiht. Auch für Ludwigsburg fehle es deshalb an Nachwuchs. Die Ruhestandswelle könnte die Kirchen weiter leeren, befürchten die drei, weil einfach nicht genug nachkomme.

Der Zölibat, der die Ehelosigkeit von Pfarrern verlangt, ist in den Augen der drei Kirchengemeinderäte der Hauptgrund für den ganz akuten Priestermangel. Nur deswegen die Eucharistie zu gefährden, verstoße ihrer Meinung nach sogar gegen geltendes Kirchenrecht. Abgesehen davon, dass immer mehr Verwaltungsangelegenheiten so manche Priester an ihrer seelsorgerischen Berufung zweifeln lassen würden. Sie seien mehr Manager als Seelsorger. „Es liegt in der Macht des Bischofs, auch verheiratete Männer mit Kindern zum Pfarramt zuzulassen“, erklärt Wolfgang Bohusch, pensionierter Religionslehrer. Mexiko mache das vor.

Pastoralreferenten hätten zum Beispiel das entsprechende theologische Studium und auch die Diakone eine ähnliche Ausbildung. Aber auch andere erfahrene Laien wie Gemeindereferenten oder Ehrenamtliche könnten sich nach entsprechender Fortbildung für den Priesterberuf qualifizieren. Dazu müsste allerdings der Bischof die Kriterien festlegen. Es sei ein erster Schritt, schließlich später auch Frauen zum Priesteramt zuzulassen, so Schwenk-Ebbighausen. Das aber sei zwei Stufen höher angesiedelt und müsse über die Bischofskonferenz zur päpstlichen Entscheidung vorgetragen werden. Aber auch das sei kurz über lang unverzichtbar, geben sie sich optimistisch.

Thomas Faulhaber
20. April 2017
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