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Ludwigsburg

Winzer und Obstbauern fürchten den Frost

Im Weinsberger Tal haben Weinbauverband und Land den Versuch unternommen, in frostiger Nacht mit Hubschraubern wärmere Luft aus höheren Schichten in die Weinberge zu pusten. Nach größeren Verlusten bei der Weinlese im vergangenen Jahr hat das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium diesen Versuch gestartet. Im Stromberg und Neckartal dagegen bleibt den Wengertern nur die Hoffnung, dass der Frost keinen allzu großen Schaden anrichtet.

Im Bereich der Felsengartenkellerei Besigheim wurden, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Götz Reustle bestätigt, an Acolon-, Dornfelder-, Lemberger- und vereinzelt auch Trollingerreben Frostschäden festgestellt. Weil es sich in der Nacht zum Donnerstag um eine Polarkälte ohne Strömungen gehandelt habe, werde eine Luftverwirbelung kaum etwas nützen, so Reustle. In den Weinbergen im Neckartal seien Minustemperaturen von bis zu fünf Grad Celsius gemessen worden. Selbst die in die Höhe ragenden Frostruten seien betroffen. Man könne abschließend noch nichts über das Ausmaß der Schäden sagen, betonte Reustle gestern. Es bestehe aber die Gefahr, dass der Austrieb weniger stark betroffen sei und weiter treibe, aber dass die noch versteckten Gescheine, wie die Fruchtstände heißen, erfroren seien.

Im Bereich der Weingärtner Stromberg-Zabergäu ist die Lage ähnlich, sagte Önologievorstand Albrecht Hauber. Vor allem der früh austreibende Lemberger sei in Gefahr. Jetzt müsse erst noch die zweite Nacht überstanden werden, erklärte Hauber. Da würden wieder minus fünf Grad erwartet. Die Lage bezeichnet er als „sehr ernst“. Bei Hohenhaslach hat ein Wengerter vorige Nacht zehn Schwedenfeuer zwischen die Rebreihen gestellt. Im Badischen haben Winzer Kerzen im Weinberg entzündet.

Albrecht Munz vom Kirchheimer Römerhof hat als einer der wenigen Obstbauern im Neckartal seine Obstanlage mit Wasser berieselt. Um 22.30 Uhr hat er den Wasserhahn aufgedreht und bei Sonnenaufgang wieder abgestellt. Das Thermometer habe minus 5 Grad Celsius angezeigt. Um die jungen Triebe und vor allem die Blüten vor dem Erfrieren zu bewahren, besprüht man sie mit Wasser: Blüten und Blätter werden von einer dünnen Eisschicht überzogen. Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt das Eis zu schmelzen und die Blüten haben den Frost unbeschadet überstanden. Die Spätfrostabwehr durch Beregnung gilt als die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Methode. Beim Baumbachhof wurden nachts wieder die großen Ventilatoren eingeschaltet. Sie sollen, wie die Rotoren der Hubschrauber, die kalte Luft mit wärmerer Luft vermischen und über die Baumwipfel blasen.

Alfred drossel
20. April 2017
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