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Ludwigsburg

Neue Variante: Teils Schiene, teils Bussystem

Oberbürgermeister Werner Spec hat in der Stadtbahn-Diskussion eine neue Linie gefunden. Bei einer eigens einberufenen Klausur des Gemeinderats wurden den Stadträten am Samstag die neuen Überlegungen ausführlich mehrere Stunden lang präsentiert. Die Öffentlichkeit soll erst heute bei einer Pressekonferenz ins Bild gesetzt werden. Unserer Zeitung liegen erste Informationen über die Klausur vor. Demnach knüpft die Stadtverwaltung bei ihrem Vorschlag an einen Plan an, der im Landkreis schon seit Jahrzehnten immer wieder hochgekommen ist, es aber nie zum Durchbruch schaffte: die Reaktivierung der brachliegenden Bahnlinie von Markgröningen über Möglingen nach Ludwigsburg und die Weiterführung von Ludwigsburg in Richtung Stuttgart, möglicherweise bis zum dortigen Hauptbahnhof. Dies nicht als Stadtbahn, sondern als Regionalbahn oder als S-Bahn.

Hinfällig wären damit die bisherigen Pläne des Landkreises und der Nachbarkommunen für eine Stadtbahnstrecke, die als Verlängerung des Stuttgarter Straßenbahnennetzes auf neuen Gleisen von Remseck über Pattonville nach Ludwigsburg führen würde und von dort auf den bestehenden Gleisen die Verbindung nach Möglingen und Markgröningen schaffen würde.

Zuletzt hatte die SPD in Markgröningen zu Jahresbeginn die Reaktivierungsvariante ins Spiel gebracht. Unter anderem mit der Begründung, dass angesichts der Zurückhaltung aus Ludwigsburg gegenüber einer Stadtbahn die Reaktivierung den realistischeren Weg für einen Ausbau des Nahverkehrs auf der Schiene darstelle. Dies sei zudem kostengünstiger und deutlich schneller umsetzbar.

Die Ludwigsburger Stadtverwaltung hat nach Informationen unserer Zeitung am Samstag bei der Klausur genau diesen Weg vorgeschlagen, als eine Art Kombilösung. Das von Werner Spec in die Stadtbahndiskussion eingeführte System mit elektrobetriebenen, stadtbahnähnlichen Schnellbussen würde demnach die Verbindung von Ludwigsburg über Pattonville nach Remseck übernehmen, möglicherweise bis in die dortige neue Mitte. Eine solche schnelle Buslinie wird auch vom Ludwigsburger Bahnhof durch die Innenstadt nach Oßweil als möglich erachtet.

Diese Kombilösung wäre das Aus einer Stadtbahn in jeder Variante, sei es eine Hochflurbahn als Verlängerung des Stuttgarter SSB-Netzes, sei es eine Niederflurbahn mit der Möglichkeit, auch innerhalb Ludwigsburgs ein Schienennetz aufzubauen. Die Niederflurbahn hatte zuletzt Rückenwind von Landrat Dr. Rainer Haas erhalten. Dieser sieht zwar nach wie vor in einer Hochflurbahn die beste Variante, hat aber überraschend signalisiert, dass er sich auch eine Niederflurstadtbahn vorstellen könne, wenn denn Ludwigsburg sich für diese Variante aussprechen sollte.

Ebenso unerwartet hat jetzt der Vorstoß aus dem Ludwigsburger Rathaus den Ludwigsburger Gemeinderat getroffen. Und er dürfte auch in den Nachbarkommunen für Diskussionen sorgen. Wie unserer Zeitung bekannt wurde, hat der Ludwigsburger Oberbürgermeister die Rathauschefs der Nachbarkommunen für heute zu einem Gespräch eingeladen. Wie den Stadträten bei der Klausur wird er wohl auch ihnen in Aussicht stellen, dass auf der reaktivierten Strecke Züge mit einer neuen Antriebstechnologie zum Einsatz kommen könnten: mit der emissionsfreien Brennstoffzelle. Die Strecke ist nicht elektrifiziert, die Technologie mit Brennstoffzelle und Wasserstoff wäre eine Alternative zum Einsatz von Dieselloks.

Teil der Überlegungen, die reaktivierte Strecke vom Ludwigsburger Bahnhof Ludwigsburg in Richtung Stuttgart weiterzuführen, ist offenbar auch eine Haltestelle bei Wüstenrot in Kornwestheim, wo der Finanzdienstleister gerade dabei ist, eine neue Firmenzentrale für bis zu 4000 Mitarbeiter zu bauen.

Zuletzt war unklar und fraglich, ob in Ludwigsburg – wie vom Landrat gefordert – noch vor der Sommerpause eine Entscheidung in Sachen Stadtbahn fallen würde. Die Stadtverwaltung verwies darauf, es fehle noch ein Gutachten zum Bussystem. Jetzt hält der Oberbürgermeister, so ist zu hören, angesichts seines neuen Vorschlags eine Entscheidung vor dem Sommer doch für möglich.

von peter maier-stein
19. März 2017
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