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Ludwigsburg

Mit den Hexen ist nicht zu spaßen

Narren trieben zwar ihren Schabernack mit Halbwüchsigen, verteilten aber vor allem Süßigkeiten an die Schaulustigen am Straßenrand. 46 Fußgruppen aus Kornwestheim und der Region und darüber hinaus zogen beim gestrigen Fasnetsumzug durch die Straßen. Trotz des eisigen Windes heizten die Fußgruppen den Zuschauern, die die Straßen der Innenstadt säumten, ein. Das Wetter hätte übrigens, abgesehen von dem kalten Wind, nicht besser sein können.

Kein Regentropfen trübte die Stimmung, und die Hästräger kamen in ihren üppigen Kostümen nicht so leicht ins Schwitzen. Auch etliche Zuschauer zeigten Lust an der fantasievollen Verkleidung und mischten sich kostümiert unters Volk. An der eineinhalbjährigen Amelie Xenia, die ihre Eltern Silke und Christian Wohlgemuth aus Tamm in ein selbstgenähtes Bärchenkostüm gesteckt hatte, kam fast niemand vorbei. Das kleine Mädchen sah auch einfach zu niedlich aus. Und so blieben immer wieder Hästräger stehen, um dem Mädchen Bonbons und andere Süßigkeiten zuzustecken oder ihr einfach etwas Aufmerksamkeit zu schenken. „Das hat schon bei unserer älteren Tochter Leonie Alexa funktioniert“, sagte Vater Christian Wohlgemuth lächelnd. Die große Schwester, mittlerweile sieben Jahre alt, verstaute die vielen Süßigkeiten in einer Stofftasche.

So furchteinflößend die Hexen, Teufel und andere Fantasiegestalten auch aussehen, die beiden Mädchen ließen sich im Gegensatz zu anderen Kindern nicht einschüchtern. So viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken hat aber durchaus Nachteile: So wurde Silke Wohlgemuth eine extragroße Portion Konfetti hinten in den Jackenkragen gestopft. Sie war aber nicht das einzige Konfettiopfer. Auch Stroh wurde gerne als Wurfmaterial verwendet. Kornwestheim ist eine echte Fastnachtshochburg.

Und so führten die zahlreichen Eigengewächse den Umzug an, den der Ausschuss Kornwestheimer Fasnet auf die Beine gestellt hatte. Dazu gehören die Fasnet-Zunft, die Freie Narrenzunft und die Narren-Ober-Liga. Ob Krähe, Krähenhexen, Kornweible, Rombalahexen, Garbenstrickle, Früchtle und Kornfetz: Die Kornwestheimer Akteure wurden besonders begeistert bejubelt. Im Cabrio wurde die Prinzessin der Narrenoberliga, Ihre Lieblichkeit Stephanie II. Vom königlichen Hofe, durch die Salamanderstadt kutschiert und bejubelt. An ihrer Seite saß NOL-Präsident Walter Specht, der ebenso emsig wie die junge Frau neben ihm Bonbons verteilte.

Auf Motorisierung setzte auch die Narrenzunft Calw, die mit einer echten Höllenmaschine am Umzug teilnahm. Das Gefährt erinnerte an einen umgebauten Rasenmäher, auf dessen Anhänger jede Menge Tannengrün verfeuert wurde und entsprechenden Qualm verbreitete. Die Teilnehmer aus dem Nordschwarzwald waren weder zu übersehen noch zu überhören. Aus den Lautsprecherboxen ihres Wagens dröhnten einschlägige Karnevalshits. Wen wundert’s, dass so manche Hexe auf der Straße mittanzte. Doch wehe, wenn einer der Zuschauer meinte, ihr zu nahe kommen zu können. Vor allem auf Jugendliche machten die Hästräger Jagd, schnürten ihnen die Schuhbänder auf oder malten ihnen bunte Farbstriche ins Gesicht.

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von Marion Blum
12. Februar 2017
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