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Ludwigsburg

Kleiner Laden statt großer Discounter

Lahdo Uyanik in seinem „Tante-Emma-Laden“ in der Freudentaler Hauptstraße. Foto: Oliver Bürkle

In fast jeder Kommune im nördlichen Landkreis gibt es mindestens einen großen Lebensmittelmarkt, nur in den kleinen Gemeinden sieht es schlecht mit der Nahversorgung aus. Doch während beispielsweise in Walheim ein Discounter immerhin noch Interesse zeigt, machen die Supermärkte um Freudental seit Jahren einen Bogen. Zwar führe er in unregelmäßigen Abständen immer wieder Gespräche mit den Lebensmittel-Einzelhändlern, sagt Bürgermeister Alexander Fleig – doch stets ohne Erfolg. Die Gründe für das Desinteresse ähneln sich: Freudental ist aus Sicht der Discounter mit seinen rund 2500 Einwohnern zu klein und verfügt über zu wenig Eigenentwicklung. Außerdem seien die Nachbarkommunen allesamt sehr gut mit Lebensmittelmärkten versorgt – ein Markt in Freudental lohne sich nicht.

„Wir haben nach wie vor Interesse an einem großen Lebensmittelmarkt“, sagt Fleig. Doch seine Prioritäten liegen angesichts der geringen Chancen mittlerweile an anderer Stelle: „Mein Ziel ist es, die Geschäfte, die im Ort sind, zu stärken und zu halten.“ Dazu beigetragen habe beispielsweise die Gewerbeschau, die vor einigen Wochen zum ersten Mal stattgefunden hatte. Immerhin einen kleinen Erfolg kann der Bürgermeister jetzt verbuchen: Vor einigen Tagen hat in der Hauptstraße ein „Tante-Emma-Laden“ eröffnet. Hier bekommen die Freudentaler jetzt alles für den täglichen Bedarf. Lahdo Uyanik betreibt das Geschäft und ist mit den ersten Tagen sehr zufrieden. „Ich habe schon sehr viele positive Rückmeldungen bekommen“, freut er sich. Er habe erfahren, dass es in Freudental keinen weiteren Lebensmittelmarkt gebe, deshalb habe er das Geschäft eröffnet, erzählt der Bietigheimer im Gespräch mit unserer Zeitung.

„Haben Sie auch Gelee?“, will eine Freudentalerin wissen, die zum ersten Mal im Laden ist. Damit kann Lahdo Uyanik aktuell zwar noch nicht dienen, doch er will künftig auch auf Kundenwünsche eingehen. Eine andere Frau kauft schnell noch fürs Mittagessen Salat bei ihm ein und Hannelore Maginot wollte eigentlich nur Geschirrspülmittel holen, doch am Ende nimmt sie auch noch Äpfel und Joghurt mit. „Ich wünsche Ihnen viel Glück mit dem Laden“, sagt sie zum Abschied. Ihren Großeinkauf werde sie zwar auch weiterhin von den Kindern im Supermarkt erledigen lassen, „aber ich komme bestimmt trotzdem öfter“, verspricht sie.

„Damit sich der Laden hält, müssen die Freudentaler regelmäßig hier einkaufen“, betont auch Bürgermeister Fleig. Denn ein Blick in die Nachbarkommunen zeigt, dass es kleinere Märkte schwer haben: Der Dorfladen in Kirchheim ging mit unglaublich viel Euphorie und Elan an den Start, doch einfach ist es nicht, den Laden zu halten. Ganz schließen musste der Bonus-Markt in Löchgau, nachdem zu wenig Kunden kamen. Fleig ist sich bewusst, dass diese Gefahr auch in Freudental besteht und nach einer kurzen Euphorie zu Beginn die Kunden ausbleiben könnten: „Ich bewundere den Mut, den die Familie Uyanik hatte. Jetzt liegt es an den Freudentalern und der Gemeinde, sie zu unterstützen.“ Um die Kundenfrequenz zu erhöhen, könnte man im Laden zum Beispiel auch wieder eine Reinigung unterbringen, überlegt der Bürgermeister. Auch Schreibwaren seien denkbar. Dass es Lebensmittelhändler in Freudental nicht ganz einfach haben, zeigen auch zwei weitere Beispiele: Der Markttag wurde mangels Interesse abgeschafft und auch der rollende Supermarkt hat keinen festen Standplatz im Ort. Er fährt seine Kundschaft mittlerweile gezielt an. Dagegen gibt es Überlegungen, einen Bürgerbus im Ort zu installieren. Der könnte die Freudentaler auch zum Einkauf fahren – in die Supermärkte der Region, aber natürlich auch zu den Geschäften im Ort, um diese zu unterstützen.

Christina Kehl
18. Mai 2017
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