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Kaum S 21-Eidechsen am Burgberg

Die Trockenmauern am Burgberg sollten instandgesetzt werden.Archivfoto: Ramona Theiss

Es steht offensichtlich nicht gut um die wegen Stuttgart 21 an den Steinheimer Burgberg umgesiedelten Zauneidechsen. Nach den ersten Kontrollberichten ist davon auszugehen, dass nur wenige Tiere den Umzug überlebt haben. Auch erfüllte die Deutsche Bahn Projekt Stuttgart-Ulm bis jetzt offensichtlich nicht alle Versprechen, die sie zuvor ankündigt hatte.

Zur Historie: Für das Großprojekt Stuttgart 21 mussten die Eidechsen ihre Heimat verlassen. Sie waren in Richtung Pragsattel und am Feuerbacher Bahnhof heimisch. Die Bauarbeiten zerstörten ihren Lebensraum. Nach europäischem Naturschutzrecht dürfen aber die besonders geschützten Eidechsen nicht einfach ihres Lebensraums beraubt und auch nicht getötet werden. Die Bahn suchte also nach Ersatzflächen und fand diese im Burgberg in Steinheim.

Hier hatte die Stadt bereits auf rund 4000 Quadratmetern begonnen, ein Biotop anzulegen, hatte auf der Fläche zwischen Ortsausgang nach Rielingshausen und Schützenhaus Trockenmauern freigelegt. Das waren rund 2000 Quadratmeter, berichtet der städtische Umweltbeauftragte Eric Hirsch. Mit der Unterhaltung der Fläche sowie der Freilegung weiterer Mauern stieß die Stadt sowohl personell als auch finanziell an ihre Grenzen.

Da kam die Bahn gerade recht. Sie wollte zunächst sogar das Gelände kaufen, am Ende wurde es ein privatrechtlicher Vertrag. Damit verpflichtete sich die Bahn, nicht nur die Trockenmauern zu richten, sondern auch zwischen den beiden Steinbrüchen und den Weinbergflächen freie Flächen zu schaffen, um so eine Verbindung für den Artenaustausch zu schaffen. Dazu hätte man das Gehölz entfernen müssen.

Die 106 Eidechsen wurden also in Stoffsäckchen verpackt und in Boxen vom Fachunternehmen nach Steinheim gebracht. Die Bahn schaffte in den Steinbrüchen eine Reihe von Totholzhaufen und sanierte die unteren Trockenmauern hin zur Straße aus Gründen der Verkehrssicherung.

Dann geriet das Projekt ins Stocken, die seitens der Bahn angekündigten Investitionen in einem „hohen sechsstelligen Betrag“ sind nicht erfolgt. Es gab Personalwechsel bei der Bahn und den Fachbüros, selbst die normale Pflege – es muss zweimal im Jahr gemäht werden – verläuft bei der Bahn nur schleppend, so Hirsch.

Der erste Monitoring-Bericht der Bahn über die Maßnahmen nach einem Jahr war dann auch „grauselig“, so berichtet der städtische Umweltbeauftragte Eric Hirsch. Es wurden kaum Eidechsen gefunden, auch der Pflegezustand am Burgberg wurde bemängelt. Die Eidechsen seien wahrscheinlich tot, vermutet Hirsch, denn aus den vereinzelten Lebensräumen könnten sie nicht davonlaufen. Die mangelnde Pflege der Biotope führte zur Verwilderung, Eidechsen brauchen aber Sonne und Wärme.

Das Regierungspräsidium Stuttgart als obere Naturschutzbehörde meldete an das Eisenbahnbundesamt (EBA), dass nachjustiert werden sollte, bestätigt eine Sprecherin. Das EBA hat die Unterlagen des Monitorings 2014 überprüft. Eine Sprecherin bestätigt, dass im Jahr 2014 nur noch der Nachweis vereinzelter Tiere erbracht werden konnte.

Die Bahn habe auf Aufforderung zwar nachgebessert; die Eidechsenpopulation konnte das in dem Jahr aber nicht mehr positiv beeinflussen. In Kürze sollen die Maßnahmen bei einem Termin mit Eisenbahnbundesamt, unterer und oberer Naturschutzbehörde überprüft und das weitere Vorgehen besprochen werden. Auch sollen die Erfahrungen im Blick auf künftige Umsiedlungsprojekte ausgewertet werden.

Patricia Rapp
07. Juni 2015
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