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Ludwigsburg

Große Nilganskolonie am Neckar

Die Nilgänse halten sich tagsüber gern in großen Gruppen auf den Feldern auf. Foto: Alfred Drossel

Auf einem Getreidefeld, nahe den Kirchheimer Neckarseen, war dieser Tage eine fast hundertköpfige Kolonie der Gänse zu sehen. Die scheuen Vögel halten sich tagsüber gerne in Gruppen auf den Feldern auf.

Nilgänsen wird ein ausgeprägtes Aggressionsverhalten zur Brutzeit gegenüber anderen Wasservögeln zugeschrieben. Genauere Untersuchungen haben gezeigt, dass von aggressivem Verhalten andere Nilgänse und Entenvogelarten mit einem Gewicht von 1000 bis 3000 Gramm betroffen sind. Dabei hängt die Aggressionsbereitschaft von der Vogeldichte am Gewässer und nicht vom Futterangebot ab.

Beeinträchtigungen wurden in Einzelfällen bei der Stockente nachgewiesen, insbesondere sofern Nilgänse Junge führten. Auch sind Fälle bekannt, in denen Nilgänse Storchennester und sogar ein Falkennest übernommen haben. Die Verbreitung des anpassungsfähigen und aggressiven Neozoen kann erhebliche Auswirkungen auf die heimische Tierwelt, insbesondere auf andere Wasservögel haben. Am Neckar konnte dies jedoch noch nicht beobachtet werden.

Inzwischen gelten acht Prozent der Vogelarten als „etablierte Neozoen“, wie Fachleute die dauerhaft niedergelassenen Neuankömmlinge nennen. 12 bis 14 Arten haben über mehrere Generationen langfristig stabile Brutpopulationen aufgebaut und sich weiträumig verbreitet.

Während der aus Vorderasien stammende Jagdfasan schon vor Jahrhunderten auch in Deutschland angesiedelt wurde und von vielen Menschen als heimische Art angesehen wird, gelten die in mehreren deutschen Städten zu Hunderten brütenden Halsbandsittiche auch in Zukunft sicher weiterhin als Exoten.

Besonders viele „Zugereiste“ gibt es unter den Gänsen. Nicht weniger als sechs außereuropäische Arten brüten in Deutschland, zwei davon in stattlicher Zahl. Bei diesen Neusiedlern gehen die Meinungen stark auseinander, auch unter den Vogelfreunden und Naturschützern. Die einen sehen in ihnen eine Bereicherung, für die anderen verfälschen sie die Fauna und stellen eine Bedrohung für die heimischen Arten dar.

Während einige der Natur freien Lauf lassen wollen, ist eine Mehrheit dafür, ihre Ausbreitung zu begrenzen oder sie sogar auszurotten.

Alfred drossel
15. Februar 2017
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