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Ludwigsburg

Gotteslob der ganz besonderen Art

Orchester und Chöre des Schiller-Gymnasiums wurden vom Publikum frenetisch gefeiert. Foto: Benjamin Stollenberg

Höhepunkt war zweifellos die Aufführung des wuchtigen, aus vier Sätzen bestehenden Konzertwerks „Te deum“ von Anton Dvorak. Benedikt Vennefrohne, Musiklehrer und Orchesterchef am Goethe, gelang es wieder einmal, die Mitwirkenden zu einem Höchstmaß an Leistung zu motivieren: Der Eltern-Lehrer-Chor, der Chor der Klassen acht bis zwölf und das Schulorchester standen für diesen mitreißenden musikalischen Beitrag gemeinsam auf der Bühne, in die sich der Altarraum der Kirche verwandelt hatte. Unterstützt wurden sie von der Sopranistin Susanne Vogelmann und dem Bariton Florian Schmidt-Bohn. Der böhmische Komponist Anton Dvorak hat diese Partitur anlässlich der 400-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas durch Christopher Kolumbus im Jahr 1892 komponiert. Schulleiter Wolfgang Medinger, der auch dem Eltern-Lehrer-Chor angehört, hatte die vielen Konzertgäste zuvor begrüßt. „Wir sind im zweiten Jahr ohne Heimstatt“, wies er darauf hin, dass das Goethe-Gymnasium aktuell saniert und umgebaut wird. Für den September sei die Rückkehr in das hergerichtete Gebäude geplant, so der Schulleiter, der sich bei der Evangelischen Friedenskirchengemeinde für die Gastfreundschaft bedankte. Dann verriet Medinger, was es mit der golden schimmernden Krawatte auf sich hat, die er zu seinem dunklen Anzug trug. Die trugen alle Männer, die an diesem Abend im Lehrer-Eltern-Chor mitsangen. Weil das Christkind in der Vorstellung vieler Menschen über lange, goldene Locken verfügt, habe man sich dafür entschieden, so der Schulleiter.

Musik wird am Goethe-Gymnasium groß geschrieben, das seit mehr als 40 Jahren musikalisch begabten Schülern eine besondere Förderung zukommen lässt. Nach der Fanfare, für die die Bläser der Big-Band zu ihren Instrumenten griffen, gehörte die Aufmerksamkeit den Schülern der Klasse sieben, die auf der Empore ein Stück von Michael Praetorius zu Gehör brachten. Unterstützt wurden die Kinder von Ralf Colin an der Orgel. Die Chöre der Klasse fünf und sechs zauberten mit Weihnachtsliedern wie „Sunny Light of Bethlehem“ oder „Guter Mond, Du gehst so stille“, vorweihnachtliche Stimmung. Vier Stücke so textsicher und konzentriert vorzutragen, war eine klasse Leistung für den musikalischen Nachwuchs.

Unter einem ganz besonderen Zeichen stand der Auftritt des Junior-Orchesters. Sabine Knecht-Ammon, die seit elf Jahren das Junior-Orchester leitet, ergriff vor dem Auftritt das Wort und wies darauf hin, dass der Auftritt an diesem Abend dem verstorbenen Bernd Hennemann gewidmet seien. Seit vielen Jahren haben die Schüler von ihm bearbeitete Musikstücke gespielt, beim Weihnachtskonzert war dies zum letzten Mal der Fall. Zu hören waren Werke des französischen Komponisten Marc-Anton Charpentier (1643-1704). Das Präludium seines „Te deum“ ist als Eurovisionshymne Millionen von Menschen bekannt. Begeistert gefeiert wurde der Auftritt des Mädchenchores unter Leitung von Grit Steiner. Er begeisterte mit der A-Capella-Version von „Jubilate“ des zeitgenössischen Komponisten Johannes M. Michel ebenso wie mit dem gefühlvollen „For The Beauty of the Earth“ aus der Feder von John Rutter und „Ubi Caritas“ von Ola Gjeilo, bei dem die mehr als 30 jungen Frauen von Hans-Martin Büttel am Klavier begleitet wurden. Der anschließende Beifall kann durchaus als frenetisch bezeichnet werden.

Übertroffen war ihr Auftritt nur von dem eingangs erwähnten Beitrag „Te Deum“ von Dvorak, einer herausragenden Gesamtleistung aller Mitwirkenden. Bei dem Gotteslob, dem „Te deum“ von John Rutter, einem der gegenwärtig bedeutendsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik, wurden diese vom Chor der Klasse sieben ergänzt.

Mit diesem Beitrag setzten sie einen fulminanten Schlusspunkt hinter einen wunderbaren Konzertabend. Für die acht engagierten Lehrer der Fachschaft Musik gab es nicht nur Blumen, sondern auch Umarmungen vom Chef. „Es war, wie ich es mir erträumt habe, sprach Schulleiter Wolfgang Medinger wohl allen Zuhörern aus der Seele.

Marion Blum
18. Dezember 2016
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