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Ludwigsburg

Dicke Luft: Schüler müssen raus

Warum Schüler und Lehrer in den Containern der Theodor-Heuglin-Schule über Unwohlsein klagen, können auch zwei Gutachten nicht abschließend klären. Die Stadt stellt den Unterricht ein, die Schüler werden ab 2. Mai an der Konrad-Kocher-Schule unterrichtet.Foto: Oliver Bürkle

Bis zur vollständigen Klärung der Ursache für die gesundheitlichen Beschwerden wird das Interimsgebäude, das während des Neubaus der Schule genutzt wird, also nun doch geschlossen. Giftige Substanzen in der Raumluft sind wohl der Grund, warum Schüler und Lehrkräfte seit Monaten über Unwohlsein klagen.

Als kürzlich einer Lehrkraft sogar ein betriebsärztliches Beschäftigungsverbot erteilt wurde, entschied sich die Stadtverwaltung in Abstimmung mit dem Landratsamt, auf Nummer sicher zu gehen und auf andere Räume auszuweichen – obwohl aus den vorliegenden Gutachten nach Ansicht der Experten nicht hervorgeht, wo die Beschwerden herrühren.

Vermutet wird aber, dass die erhöhte Konzentration mehrerer giftiger Substanzen „bei empfindlichen Personen (sowie dem Schulhund) gesundheitliche Beschwerden auslösen könnten“, heißt es in der Vorlage für die Stadträte.

Zwei Gutachten wurden erstellt, wirklich schlauer ist man dennoch nicht. Die Stadtverwaltung hatte nach Bekanntwerden der Beschwerden im Oktober 2016 den Lieferanten der Bauteile kontaktiert. Das Unternehmen habe sich, berichtete die Verwaltung, kooperativ gezeigt. Der von der Firma beauftragte Gutachter, das Münchener Büro Reger, kam zum Ergebnis, dass „die TVOC-Werte unter den gemessenen Bedingungen in einem hygienisch unbedenklichen Bereich liegen. Formaldehyd war nur in unauffälliger Konzentration messbar“. Gesundheitliche Auswirkungen seien nach den vorliegenden Ergebnissen „unwahrscheinlich“.

Die Ditzinger Stadtverwaltung beauftragte unabhängig davon einen Gutachter; das Gerlinger Institut Beer fand aber ebenfalls keine akut gefährdenden Werte: Die Gesamtgehalte an flüchtigen organischen Verbindungen (TVOC) liegen demnach unter 300 Mikrogramm pro Kubikmeter: Das sei „hygienisch unbedenklich“.

Ein Wert der VOC, Cyclohexanon aus der Gruppe der Carbonyle und Ketone, war aber in allen vier Raumluftproben in erhöhter Konzentration vorhanden. Eine Probe aus dem Raum 16 zeigt eine Überschreitung des Auffälligkeitswertes P90 für Einzelsubstanzen aus der Gruppe der Alkane und Cycloalkane, die etwa als Lösungsmittel in Lacken, Harzen und Fleckentfernern vorkommen. Der Gutachter empfahl regelmäßiges Lüften.

Auch aus Sicht des von Anfang an eingeschalteten Fachbereichs für Gesundheitsschutz des Landratsamts besteht keine akute Gefährdung der Gesundheit, da der Richtwert eingehalten werde, kommentierte der zuständige Dezernent im Februar. Doch sollte der Ursache nachgegangen werden. Zwischenzeitlich hat er seine Meinung geändert und sieht „akuten Handlungsbedarf aufgrund der massiven Klagen“.

Das Ergebnis eines dritten Gutachtens, das auf die Untersuchung auf Schimmelpilze und Bakterien in der Raumluft erweitert wurde, steht derweil noch aus.

von silvia haiduk
19. April 2017
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