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Ludwigsburg

Bloß einen Artikel mehr einkaufen

Die Auswahl im Dorfladen kann sich durchaus sehen lassen. Für den täglichen Bedarf ist alles vorhanden. Archivfoto: Alfred Drossel

Es sei noch nicht fünf vor zwölf, meinte Bürgermeister Uwe Seibold im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch hätten die drei Geschäftsführer auf die wirtschaftliche Situation des Dorfladens in der Kirchheimer Ortsmitte aufmerksam machen wollen. „Wir wollen die Existenz des Ladens ja auch nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“ Viel fehle nicht mehr für die schwarze Null, sagte Seibold. Es würde auch schon reichen, wenn entweder insgesamt mehr Kunden im Dorfladen einkauften oder jeder Kunde zwei Euro mehr in der Ladenkasse liegenlassen würde. „Einen Artikel oder ein paar Scheiben Wurst oder Käse zusätzlich einkaufen – die Auswahl ist groß. Die Lösung liegt buchstäblich auf der Hand.“

Aus einer Idee, die im Sommer 2015 entstanden war, hatte sich ein Projekt entwickelt, aus dem heraus vor knapp einem Jahr der Dorfladen – der in den Räumen des einstigen Bonusmarktes an der Hauptstraße auf rund 400 Quadratmetern sein Domizil gefunden hat – mit großem ehrenamtlichen Engagement, Durchhaltevermögen und genügend Helfern an den Start gegangen war (unsere Zeitung berichtete mehrfach). „Bei der Gründung und Eröffnung war uns allen klar, dass der Dorfladen ein Jahr Anlaufzeit benötigt, um eine schwarze Null zu schreiben und um sich selbst zu finanzieren. Wir sind dem Ziel relativ nah, es fehlt nur noch ein bisschen.“

Aus diesem Grund haben sich die drei Geschäftsführer nun entschieden, einen flammenden Brief mit dem Betreff „Die nächsten Monate sind entscheidend“ an die rund 250 Anteilseigner, die derzeit Mitglied bei der Stillen Gesellschaft der Unternehmensgesellschaft Dorfladen Kirchheim sind, zu schicken. Seibold räumt zwar ein, dass der Dorfladen zwischen Ostern und den Sommerferien 2016 einen „Durchhänger“ gehabt habe. Dann habe das Geschäft wieder angezogen. „Der Dorfladen hat zwischen 330 und 350 Kunden am Tag. Diese Zahlen können sich durchaus sehen lassen.“ Es kämen auch vermehrt jüngere Leute zum Einkaufen und zwar nicht nur, weil sie woanders etwas vergessen hätten. Dies freue ihn besonders, sagte Seibold. „Der Dorfladen ist zu einem beliebten Treffpunkt für Alt und Jung geworden.“

Die Meinung, ein Einkauf im Dorfladen sei teurer als in anderen Geschäften, ließ Uwe Seibold nicht gelten. Er selbst habe 15 Produkte dort gekauft und die Preise mit Artikeln aus anderen Supermärkten und Discountern verglichen. „Wir sind insgesamt auf Platz 2 gelandet, zumal es im Dorfladen, neben Markenprodukten, ebenfalls eine günstige Eigenmarke gibt.“ Die Anteilseigner kämen sogar in den Genuss eines Bonussystems, mit dem jeder Einkauf auf einer Karte gutgeschrieben werde. Am Ende des Jahres gibt es dafür einen Einkaufsgutschein. „Das soll kein Kontrollsystem sein, aber wir haben halt festgestellt, dass manche Anteilseigner mehr, manche weniger einkaufen.“ Es müsse sich in den Köpfen aller verankern, im Kirchheimer Dorfladen seine Einkäufe zu tätigen.

Auch das Argument, es gebe zu wenig Parkplätze, konnte Seibold entkräften: Vor dem Dorfladen und im direkten Umfeld sind immer Parkplätze vorhanden. „Wenn Sie beim Discounter einkaufen und in der hintersten Ecke parken müssen, müssen Sie auch ein paar Schritte gehen.“

Was, wenn der Dorfladen schließen muss? Davon gehe er grundsätzlich nicht aus, sagte Bürgermeister Uwe Seibold. Sollte es doch so weit kommen, würden Alternativen und weitere Überlegungen angestellt. „Aber wir werden unser Etappenziel erreichen.“

Britta Slusar
13. Februar 2017
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