Montag, 24.04.2017, 20:55 Uhr
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Ludwigsburg

Alles noch im grünen Bereich

Freuen sich die einen über Sonne satt, über Temperaturen, die sonst nur im Sommer herrschen, über T-Shirt- und Sandalenwetter, täte der Natur ein ordentlicher Guss von oben sichtlich gut. Denn gefühlt hat es seit Wochen nicht geregnet.

Dem ist aber nicht so. Im April hat es bislang zwar weniger Niederschläge gegeben als sonst, aber der März war – wie es aus den Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes hervorgeht – nicht zu trocken. „Es gab genügend Niederschläge“, sagte Diplom-Meteorologin Sabine Krüger im Gespräch mit unserer Zeitung. „Es war zeitweise nur sehr windig, so dass die oberen Schichten des Bodens schnell wieder abgetrocknet sind.“

Die Landwirte blicken zwar auch auf einen Herbst und Winter mit zu wenigen Niederschlägen zurück, aber die Kulturen leiden momentan noch nicht unter der Trockenheit, da es mittlerweile wieder abgekühlt hat und die Verdunstung dadurch geringer geworden ist. „Die Frühjahrskulturen wie Zuckerrüben, die Anfang März gesät worden sind, als es ordentlich geregnet hatte und der Boden noch entsprechend feucht war, konnten gut keimen. Die, die Anfang April ausgesät worden sind, haben sich noch nicht ganz so gut entwickelt“, erklärt Eberhard Zucker, Chef des Kreisbauernverbands. Für Sommergerste sei es etwas zu trocken. Sie entwickle sich langsamer als üblich. Das Wachstum des Winterweizens sei eher von der Bodenqualität als momentan vom Niederschlag abhängig. „Auf gutem Lößboden, wie wir ihn bei Vaihingen, bei Bönnigheim, Möglingen und Kornwestheim haben, wächst er besser, in schweren Lehm- und Tonböden wie in der Stromberggegend wächst er langsamer.“ Die Landwirte hofften auf steigende Temperaturen und Regen, damit Raps, Getreide, Mais und Gemüse den nötigen Wachstumsschub bekommen. „Die Feuchtigkeit, die noch im Boden ist, reicht für tiefer wurzelnde Pflanzen noch aus“, erklärt Zucker. Auch die Rebstöcke halten die Trockenheit aus. Doch schon in sechs bis acht Wochen könnte es auch für den Wein problematisch werden, dass der Boden kein Wasser mehr gespeichert hat. Im Moment befürchteten die Winzer eher, dass der frühe Austrieb von nächtlichen Frösten Ende April zerstört werde und damit die Ernte geschmälert werden könnte, meinte Zucker. „Kritisch ist die Lage noch nicht, wenngleich Regen der Natur guttäte.“

Dem konnte Günther Plonka, Obst- und Gartenbauberater beim Landratsamt Ludwigsburg, nur zustimmen. „Noch ist alles im grünen Bereich. Nichtsdestotrotz dürfte es so langsam mal regnen, sonst wird’s kritisch.“ Erd- und Strauchbeeren würden bereits jetzt künstlich beregnet. Denn die nicht so tief verwurzelten Pflanzen benötigten jetzt viel Wasser fürs Wachstum.

Der Blütenbeginn ist fast drei Wochen früher als in den Jahren 2015 und 2016 und so bestehe die Gefahr, dass Frostnächte die jungen Blüten schädigen oder zerstören. Die Trockenheit sieht er vor allem bei jungen Pflanzen als Problem an. „Jungpflanzen müssen dringend bewässert werden. Ein Hobbygärtner sollte zur Gießkanne greifen.“ Bereits tief verwurzelte Obstbäume könnten solche Trockenzeiten ohne Schäden überstehen. Allerdings benötigten Obstbäume deutlich mehr Wasser, wenn die Früchte im Wachstum seien.

„Die lange Trockenperiode in diesem Jahr dürfte ohne baldige ausgiebige Niederschläge für die frisch gepflanzten Kulturen problematisch werden“, vermeldete hingegen das Forstamt. Bei den Fichtenbeständen sei aufgrund der Trockenheit erhöhte Aufmerksamkeit hinsichtlich des Borkenkäferbefalls geboten.

Und die Wetteraussichten für die bevorstehenden Feiertage? Zum Wochenende hin soll es kühler werden, die Temperaturen um die zehn Grad heruntergehen. Am Karsamstag und am Ostersonntag ist mit Regenschauern zu rechnen. Es herrscht voraussichtlich wechselhaftes Aprilwetter. Am Ostermontag sieht es mit einem Sonne-Wolken-Mix tendenziell wieder ein wenig besser aus.

Britta Slusar
14. April 2017
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