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Kreis Ludwigsburg

AVL-Chef zieht Konsequenzen aus der Asbest-Affäre

Erst vergangenen Sommer stand die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises (AVL) im Kreuzfeuer. Durch Recherchen unserer Zeitung kam damals heraus, dass sie jahrelang Schutt aus Karlsruher Atomanlagen in den Deponien Froschgraben in Schwieberdingen und Burghof in Vaihingen-Horrheim eingelagert hatte. Nun hat eine Bürgerinitiative die nächste Affäre um den Müll aufgedeckt: In einer Fotodokumentation machte sie Ende Februar auf angeblich unsachgemäße Asbest-Ablagerungen auf der Deponie Froschgraben aufmerksam.

„Die Vorfälle haben mich schwer getroffen, die AVL hat sich angreifbar gemacht“, leitete Utz Remlinger, nebenamtlicher AVL-Geschäftsführer, seine persönliche Erklärung gestern vor dem Aufsichtsrat des Unternehmens ein. „Das ist sehr ärgerlich und ruft berechtigterweise Kritik hervor“, sagte Remlinger, im Hauptberuf stellvertretender Landrat. Aus seiner Sicht habe er keine großen Fehler als Geschäftsführer begangen. „Aber ich trage die Verantwortung.“ Um weitere Schäden zu vermeiden, trete er nach über acht Jahren im Amt zurück.

„Vor dem Hintergrund beider Vorkommnisse ist das Vertrauen in die AVL gestört“, erklärte Landrat Dr. Rainer Haas, Aufsichtsratschef der AVL. Ein Verstoß gegen die Abfallverordnung auf dem Froschgraben habe nicht nachgewiesen werden können, es könnte jedoch in einzelnen Fällen zu Fristüberschreitungen gekommen sein. Gesundheitliche Gefahren für Mitarbeiter und Anwohner könnten ausgeschlossen werden. Dennoch nehme man das Ganze ernst.

Für die Mitglieder des Aufsichtsrats sei der Rücktritt ein wichtiger Schritt, das Vertrauen in die AVL wiederherzustellen, sagte etwa Reinhard Rosner (CDU). Dem pflichtete Steffen Döttinger (Freie Wähler) bei. Auch Grünen-Aufsichtsrat Peter-Michael Valet betrachtete den Rücktritt als ehrenwert. Bevor Schuldzuweisungen vonstattengehen, habe er die Verantwortung übernommen. „Damit ist das Thema durch“, so Valet.

Landrat Haas betonte: „Wir müssen Maßnahmen ergreifen, um das angeschlagene und geschädigte Vertrauen wiederzuerlangen.“ Als Sofortmaßnahme ist der bisherige Leiter der Deponie auf einen anderen Platz versetzt worden, teilte Haas dem Aufsichtsrat mit. Zukünftig ist Peter Maier für den Froschgraben zuständig, der bereits die Deponien Burghof in Vaihingen-Horrheim und Hamberg in Maulbronn leitet. Darüber hinaus sollen die Asbestanlieferungen aus dem Ausland so schnell wie möglich gestoppt werden. „Das geht nicht von heute auf morgen, aber zeitnah“, kündigte der Landrat an. Als Nachfolger bestellte der Aufsichtsrat Kreiskämmerer Albert Walter für eine Übergangszeit zum neuen Geschäftsführer des Landkreis-Tochterunternehmens. Darüber entscheidet der Kreistag am 15. April.

Martina Peao
17. März 2016
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