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„Keine staatliche Zwangsbeglückung“

Wie soll es weitergehen? Kultusministerin Susanne Eisenmann sprach beim zweiten Ganztagsgipfel im Kornwestheimer „K“. Foto: Karin Rebstock

Da wäre zum einen die rhythmisierte und gebundene, also verpflichtende, Ganztagsschule mit an drei bis vier Tagen pro Woche zwischen sieben und höchstens acht Stunden. Das habe sich mittlerweile bewährt.

Dafür würden maximal zwölf Lehrerstunden pro Klasse zusätzlich vom Land bezahlt. Voraussetzung sei ein pädagogisches Konzept und eine Mensa. Auch eine so genannte Monetarisierung sei möglich. Die Schulen könnten sich damit Deputate auszahlen lassen, um sich externe Partner einzukaufen. 85 Millionen Euro gibt das Land in diesem Jahr für dieses Modell aus. Alles, was über die Kernzeit zwischen 8 Uhr und 16 Uhr hinausgehe und kein Unterricht sei, sei Sache der Kommune.

Zum Zweiten wäre dann die Halbtagsschule mit Nachmittagsbetreuung. Die braucht kein pädagogisches Konzept. Und auch der Mittagstisch wäre freiwillig. Das Angebot außerhalb des Unterrichts könne frei gestaltet werden. Allerdings hatte die grün-rote Landesregierung 2014 den Finanzhahn für diese Form der Ganztagsbetreuung abgedreht.

Wegen noch laufender „Altbestände“ zahle das Land dafür aber immer noch 71 Millionen im Jahr. Die Ministerin deutete an, dass eine Wiederbelebung durchaus im Bereich des Möglichen sei. Allerdings dann in Form eines Kopfgelds pro Schüler und nicht wie früher nach Gruppen. Bei der Wiedereinführung würde das zusätzlich rund zwölf Millionen kosten, schätzte sie über den Daumen gepeilt.

Und drittens gäbe es dann noch die klassische Halbtagsschule. Ohne jedes Zusatzangebot. Von Mischklassen unterschiedlicher Betreuungsformen hält die Ministerin wenig. Das sei pädagogisch „bedenklich“. Das sollte nur an den kleinen Schulstandorten wegen der Chancengleichheit möglich sein. Größeren Schulen dagegen stehe es frei, die drei Möglichkeiten parallel anzubieten – allerdings nur im Klassenverbund.

Mehr Modelle seien in ihren Augen nicht handhabbar. Dem sonstigen „kunterbunten Durcheinander“ will sie für eine Übergangszeit Bestandsschutz einräumen. Jugendbegleiter und Ähnliches seien von der Reform nicht betroffen. Eisenmann kündigte an, dass die Schulen künftig auch über eigene Budgets eigenständig verfügen sollen. Das reduziere den bürokratischen Aufwand der Mittelverteilung erheblich. Allerdings müsse dazu das Schulgesetz geändert werden.

Interessiert nahm die Ministerin die Anregung von Koordinierungsstellen auf, die Lehrer und Schulleiter durch Beratung und Organisation entlasten könnten. Denkbar sei, diese bei den Kommunen anzusiedeln. In kleineren Gemeinden sinnvollerweise auch interkommunal eingesetzt. Eisenmann setzt dabei weiter auf die Zusammenarbeit der Kommune und des Landes. „Die bisherige Aufgabenteilung soll auch künftig beibehalten werden.“

„Wir wollen eine Ganztagsschule von höchster Qualität, die zugleich den Bedürfnissen der Menschen in unserem Land entspricht“, sagte die Kultusministerin bei der Eröffnung der Veranstaltung. „Die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder eine sinnvolle, pädagogisch angemessen gestaltete Zeit in der Ganztagsschule verbringen“, so Eisenmann weiter.

„Der Plan ist kein Sparprogramm“, betonte die 52-jährige Politikerin. Man sei weiter bereit, viel Geld in die Ganztagsbetreuung zu stecken. Aber es sei auch nicht zu viel verlangt, dass Eltern auch Entscheidungen treffen. Zum weiteren Verlauf meinte Ministerin Eisenmann, „wir steigen jetzt in den parlamentarischen Prozess ein“.

Dabei versprach sie „eine zügige Klarheit“. Es gehe ihr nicht um „eine staatliche Zwangsbeglückung aller Familien“. Niemandem werde vorgeschrieben, wie sich Familien zu organisieren hätten. „Vielmehr wollen wir dem unterschiedlichen Bedarf im Land gerecht werden“, betonte Eisenmann. Und: „Das Kind steht immer noch Mittelpunkt.“

Thomas Faulhaber
15. Mai 2017
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